Tipps und Informationen zur artgerechten Vogelhaltung

I. Vogelhaltung

Vögel sind wunderschön anzusehen. Mit ihrem „Geplauder“ unterhalten sie die Halter und bereichern deren Alltag. Nur – wer Papageien in Gefangenschaft hält, weiss wie schwierig es ist, den Tieren nur annähernd gerecht zu werden.

Leider leben noch viel zu viele Vögel alleine in zu kleinen Käfigen und müssen den ganzen Tag auf ihre Bezugsperson warten. Wenn „Herrchen oder Frauchen“ dann nach der Arbeit müde und manchmal auch gestresst nach Hause kommt und sich auch noch um den Vogel kümmern muss, kommt der Besitzer oft an seine Grenze. Es kann nicht oft genug gesagt werden – Vögel sind Schwarmtiere und müssen mindestens zu zweit gehalten werden! Ein Tier, das alleine lebt, braucht unendlich viel Aufmerksamkeit und Zeit! Der Halter müsste sich mehrere Stunden am Tag um den Vogel kümmern, was nur selten möglich ist. Und so kommt es wie es kommen muss - weder der Vogel, noch der Halter sind glücklich.

Wer sich mit dem Gedanken befasst, sich Vögel anzuschaffen, wird gebeten, die nachfolgenden Seiten genau zu studieren. Die Auffangstation für Papageien und Sittiche APS ist gerne bereit, weitere Fragen zu beantworten. Im Forum haben Sie die Möglichkeit dazu!

Wir hoffen, dass Sie auf diesen Seiten viele wichtige Informationen finden und diese in Ihre Entscheidungsfindung einfliessen lassen!

II. Warum ist die Vogelhaltung so schwierig? - Wichtiges in Kürze

  • Weil Vögel in Freiheit glücklicher sind
  • Weil Vögel Schwarmtiere sind und nicht alleine gehalten werden sollten
  • Weil Vögel viel Zeit beanspruchen
  • Weil Vögel viel Geld kosten
  • Weil Vögel viel Dreck verursachen
  • Weil Vögel sehr alt werden
  • Weil Vögel, die geschlechtsreif werden, ihr Verhalten ändern
  • Weil Vögel viel Platz brauchen und fliegen müssen
  • Weil Vögel intelligent sind und beschäftigt werden wollen
  • Kaufen Sie NIE nur einen Vogel
  • Haben Sie Platz für eine grosse Voliere? (mind. 2x2x1 Meter)
  • Können Sie dem Vogel täglich Freiflug gewähren?
  • Vertragen Ihre Nachbarn Vogellärm?
  • Haben Sie viel Zeit für Ihre Papageien?
  • Vertragen Sie Staub und Dreck in der Wohnung?
  • Stören Sie angeknabberte Möbel und Tapeten?
  • Haben Sie sich auf mögliche Allergien getestet?
  • Wohin kommt das Tier während den Ferien?
  • Wissen Sie, wie alt Ihr Tier werden kann?
  • Haben Sie das nötige Kleingeld?

III. Kanarienvögel

i. Aussehen und Vorkommen

Der Kanariengirlitz ist etwas kleiner als die meisten Zuchtformen. Das für den Kanarienvogel so typische Gelb haben auch Kanariengirlitze in Teilen ihres Gefieders, doch ist es stark mit Grün, Gelbgrün und Schwarzbraun vermischt. Die Weibchen sehen etwas unscheinbarer aus als die Männchen.

Die bevorzugten Gebiete des Kanariengirlitzes sind offene Landschaften in flachen Regionen oder Hanglagen. Dort bieten Bäume und Büsche Versteckmöglichkeiten und es gibt genügend Futter.

ii. Leben im Jahresverlauf

Die Brutzeit der Kanariengirlitze beginnt im Februar oder März. Dann verstärken die Männchen ihren Gesang und zeigen einen Balzflug. Sobald ein Männchen auf diese Weise ein Weibchen gefunden hat, beginnt dieses mit dem Nestbau, meist in einer Astgabel in Stammnähe in etwa 2 bis 3m Höhe. Ein bis zwei Bruten in einem Sommer sind üblich. Nachdem die letzten Jungen flügge, das heißt selbstständig, geworden sind, schließen sich die Kanariengirlitze zu größeren Schwärmen zusammen und ziehen im Winterhalbjahr auf der Suche nach Nahrung auf den Inseln umher.

iii. Die Sinnesleistungen

  • Sehvermögen: Der Gesichtskreis des Kanarienvogels beträgt 320°, da er seine Augen unabhängig voneinander bewegen kann.
  • Gehörsinn: Zudem hat er ein sehr ausgeprägtes Hörvermögen, welches das des Menschen weit übersteigt. Das heißt, er nimmt Tonfrequenzen war, die Menschen nicht hören können.
  • Geruchs- und Geschmackssinn: Allerdings ist sein Geruchssinn, und damit sein Geschmackssinn, nicht besonders gut ausgeprägt, aber dennoch vorhanden.

iv. Die Körpersprache

Der Kanariengirlitz kommuniziert nicht nur durch den Gesang, sondern auch mit seinem Körper.

  • Spreizt der Kanarienvogel die Flügel ab, so droht er damit seinen Artgenossen oder er streckt sich, um sich abzukühlen.
  • Sitzt der Kanari auf einem Bein, ist er entspannt und fühlt sich wohl.
  • Plustert der Kanarienvogel sich auf, fühlt er sich beharrlich oder ist krank.
  • Sperrt der Kanarienvogel seinen Schnabel auf (Hecheln), droht er damit seinen Artgenossen oder er hat ein Bedürfnis nach Abkühlung.
  • Hackt der Kanari mit dem Schnabel, ist er aggressiv.
  • Steckt der Kanari seinen Kopf ins Gefieder, schläft er, ist er sehr entspannt oder er ist krank.
  • Hält der Kanarienvogel seinen Kopf schief, fordert er seinen Partner zum Kraulen auf oder beobachtet seine Umgebung mit einem Auge.
  • Putzen sich Kanaries gegenseitig, bekunden sie damit ihre Sympathie füreinander.
  • Wetzt ein Kanarie seinen Schnabel, reinigt er ihn oder er will seine Artgenossen beschwichtigen.
  • Schnäbeln Kanarienvögel miteinander, bekunden sie sich große Zuneigung.
  • Schüttelt ein Kanari sein Gefieder, ordnet er seine Federn nach dem Putzen oder Baden, oder er befreit sich nach einem Schmerz oder Schreck von einer Anspannung.
  • Streckt er seinen Körper und stellt seine Flügel aus, so ist er überhitzt und will sich abkühlen.
  • Streckt der Kanarienvogel seinen Körper und legt sein Gefieder eng an, ist er stark erschrocken und zeigt Demut.
  • Tanzt der Kanri, will er einem Weibchen imponieren.

v. Gegenseitige Gefiederpflege

Kanariengirlitze bieten ihrem Partner zur Pflege häufig Körperpartien an, die sie beim Putzen mit dem Schnabel nicht erreichen. Als Aufforderung zum Putzen steckt einer dem anderen also Nacken, Kopf oder Kehle entgegen. Der Partner zieht nun an der dargebotenen Stelle eine Feder nach der anderen durch den Schnabel. Berührt er aber einmal andere Körperstellen, wird der Geputzte sogleich unruhig, pickt nach ihm oder fliegt fort.

vi. Kauf von Kanarienvögeln

Kanarienvögel sollten nicht aus einer Laune heraus oder voreilig gekauft werden. Sie sind Lebewesen und keine Möbelstücke, keine Modeartikel und kein Spielzeug. Zudem sind sie entgegen der weit verbreiteten Meinung auch nicht pflegeleicht, da sie jeden Tag viel Pflege und Zuwendung brauchen.

vii. Fragen vor der Anschaffung

Vor der Anschaffung eines Kanarienvogels muss man sich kritisch und ehrlich den folgenden Fragen stellen:

  • Steht ausreichend Zeit und Geld zur Verfügung?
  • Welche Ansprüche stellt der Vogel an Käfiggröße und Futter?
  • Wo kann der Vogel untergebracht werden?
  • Wer pflegt den Vogel im Urlaub?
  • Ist eine Allergie gegenüber Federn oder Federnstaub vorhanden?

Kann man nicht alle Fragen befriedigend beantworten, sollte man auf die Anschaffung eines Kanarienvogels verzichten.

viii. Kriterien beim Kauf

Kanarienvögel kauft man am besten direkt beim Züchter, denn dort kann man Hilfe bei Fragen zur Haltung und Auskunft über die bisherige Fütterung erhalten. Organisierte Züchter (Kriterien: keine Massenproduktion!, ständige Beobachtung, vorbeugende Impfungen gegen die schlimmsten Krankheiten) versehen die Kanarienvögel mit einem Fußring, der die bei AZ oder DKB eingetragene Ringnummer des Züchters enthält. Da die Zucht bei einem verantwortungsvollen Züchter oft mit viel Aufwand betrieben wird, ist ein schöner, gesunder Kanarienvogel oft günstiger als im Handel. Besucht man den Züchter, sollte man die Volieren anschauen und den ausgewählten Vogel im Käfig beobachten, ohne ihn dabei zu beunruhigen:

  • Sitzt er aufgeplustert da?
  • Wird die Sitzstange kräftig mit den Zehen umschlossen?
  • Ist das Gefieder verschmutzt?
  • Wippt der Vogel beim Atmen?
  • Gibt sich der Vogel auffällig zahm?

Ein solcher Vogel ist nicht gesund und sollte nicht gekauft werden. Ein gesunder Kanarienvogel hat wache Augen, nimmt Anteil an seiner Umgebung, ist in eine Gruppe weiterer Vögel integriert und entzieht sich jedem Fangversuch durch Flucht.

ix. Die Haltung des Kanarienvogels

Kanarienvögel sollten nicht alleine gehalten werden, denn auf den Kanarischen Inseln leben sie außer während der Brutzeit im Schwarm. Darum gehen oft wegen ihres Gesangs einzeln gehaltene Männchen seelisch und körperlich ein. Man sollte sich also für mindestens zwei Vögel, egal ob als ein Pärchen oder zwei Männchen, in einem Käfig entscheiden. Folgende Hinweise sollten außerdem bei der Haltung beachtet werden:

a. Käfig

Er sollte so groß wie möglich, dabei aber länger als hoch sein, um einige Flügelschläge zu ermöglichen. Runde Käfige bieten den Vögeln weder genügend Platz zum Hüpfen noch zum Fliegen. Man muss den Käfig wöchentlich mit Wasser und Seife oder Geschirrspülmittel reinigen und gründlich trocknen, ehe man den Vogel wieder hineinlässt.

b. Stangen

Der Käfig sollte nicht mehr als zwei bis drei Stangen enthalten, damit genügend Platz für Bewegungen bleibt. Der ideale Stangenabstand beträgt 30-40cm. Ungeeignet sind viereckige und Plastikstangen. Am Besten geeignet sind Weiden- und Ostbaumzweige mit Rinde, die unterschiedliche Durchmesser haben, damit der Vogel seine Gelenke ständig trainieren kann. Diese müssen mindestens einmal monatlich ausgewechselt werden, da sich an ihnen gerne Milben ansiedeln.

c. Boden

Für eine schnelle und gründliche Reinigung am Besten geeignet ist Haushalts- und Zeitungspapier. Es eignet sich gut, um Kot und Harn zu kontrollieren, da kaum Sand aufgewirbelt wird, durch den sich der Vogel Parasiten einfangen könnte. Man sollte Sand und Grit in Näpfen statt als Bodenstreu anbieten, um diese Gefahr zu verringern. Nicht geeignet sind Gitter über dem Käfigboden und vorgefertigtes Sandpapier.

d. Gritsteine und Kalk

Grit benötigt der Magen des Kanarienvogels, um die Körner zu zerkleinern. Es kann in einem kleinen Hängenapf oder zusammen mit dem Futter angeboten werden. Zur Mauser und zur Brutsaison muss Kalk in Form von Kalkstein, Sepiaschale oder Kalkgrit bereitgestellt werden.

e. Futter- und Trinknäpfe

Futter und Wasser werden in Näpfen angeboten, die nicht direkt unter der Sitzstange liegen dürfen, um eine Verunreinigung mit Kot zu vermeiden. Sie werden täglich gereinigt und getrocknet sowie kontrolliert. Das gilt auch für Futter- und Wasserautomaten, um Infektionen zu verhindern.

f. Bademöglichkeit

Kanarien sind "Wasserratten". Deshalb muss täglich die Möglichkeit zu baden bestehen. Entweder stellt man ein Badegefäß an beziehungsweise in den Käfig oder man duscht sie mit einer gründlich gereinigten Blumensprühflasche ab, in der man weder Dünger noch Pflanzengifte hatte.

g. Standort

Der Käfig sollte in Augenhöhe des Menschen aufgestellt werden und mit einer Seite zur Wand stehen. Er darf nicht der direkte Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein und nur selten seinen Standort ändern. Auch sollte er an einem erschütterungsfreiem Standort stehen. Die Küche ist wegen der Essensdämpfe, der Gefahrenquellen beim Freiflug und der Vergiftungsmöglichkeiten ungeeignet. Ebenso schlecht ist es den Käfig in weniger als 3m Entfernung zum Fernseher , Klavier oder Radio zu stellen, da die Töne im Ultraschallbereich von den Kanaries als sehr schrill empfunden werden. Helle Ecken bieten Kanaries ein Gefühl von Sicherheit. Den Käfig nachts abzudecken ist sinnvoll, aber nicht zwingend.

h. Temperatur

Die Temperaturen im Käfigzimmer sollten demgemäß unterschiedlich sein, dass ein Tag- und Nachtrhythmus möglich ist. Zu hoch sind die Temperaturen über 40°C, zu niedrig unter 7°C.

i. Licht

Kanarienvögel sind tagaktive Tiere. Zum Tageslicht im Käfigraum sollte der Kanari im Sommer draußen in den Schatten unter Beobachtung (Katzen!) gestellt werden, um das Sonnenlicht zu genießen und gesund zu bleiben.

j. Luft

Wegen ihrer hohen Stoffwechselaktivität haben Kanaries einen großen Sauerstoffbedarf. Schlechte und staubige Luft, Zugluft, Zigarettenqualm sind tabu. Eine Luftfeuchtigkeit von 60-70% im Käfigzimmer ist optimal.

k. Fütterung

Fütterungsfehler verursachen oft Krankheiten. Ein Kanarienvogel kann sterben, wenn er einen Tag kein Futter vorfindet. Auch kann er sich nicht eine vorgegebene Futtermenge in Rationen für mehrere Tage einteilen. Ist der Halter im Urlaub, sollte er jemanden beauftragen, der zwei- bis dreimal am Tag nach dem Vogel sieht.

l. Futtermischungen

Vogelfutter muss ständig kühl und trocken gelagert werden. Riecht es muffig ,ist es von Futtermilben befallen und sollte weggeworfen werden. Das Futterangebot sollte mit den Jahreszeiten schwanken, um Stoffwechselstörungen zu vermeiden. Man sollte zusätzlich zum handelsüblichen Futtermischungen, dass im wesentlichen aus Kohlenhydraten (Pflanzensamen oder Kolbenhirse) besteht, tierisches Eiweiß , Vitamine und Mineralstoffe reichen.

m. Wasser

Täglich nimmt der Kanarienvogel in Abhängigkeit von Umgebungstemperatur und Futterbeschaffenheit 10-20% des Körpergewichtes an Wasser auf. Mit dem Trinkwasser nimmt der Vogel auch Jod und Mineralstoffe auf. Abgekochtes und gefiltertes Wasser sind ungeeignet. Man sollte Mineralwasser ohne Kohlensäure oder normales Leitungswasser verabreichen und ab und an handelsübliche Trinkzusätze hinein geben.

n. Eiweiß

Einmal wöchentlich sollte man tierisches Eiweiß in Form von Ei (mind. 10 min. kochen lassen Vitamin A!), Quark , Frischkäse oder Jogurt anbieten. Während der Mauser oder Eibildung ist ein erhöhter Bedarf vorhanden. Zum Knabbern eignen sich Obstbaumzweige mit frischen Knospen,die viel Eiweiß, Gerbsäuren und Ballaststoffe enthalten. Man kann, außer bei warmen Wetter (Fäule, Schimmelpilze!), auch die Körnerfuttermischung vorkeimen lassen, um deren Eiweiß- und Vitamingehalt zu erhöhen.

o. Vitamine

Vitamine sind für den Kanarienvogel lebensnotwendig. Außer den Vitaminen C und D müssen alle andren Vitamine (A,B,D,E) mit der Nahrung aufgenommen werden. Man sollte Obst wie Apfel , Banane, Orange und Gemüse wie Paprika, Karotten, Mais, Salat, Petersilie und Grünzeug wie Vogelmiere und Löwenzahn reichen. Dabei muss das Vitaminfutter gründlich gewaschen (besonders beim Kopfsalat) und frei von Abgasrückständen(Pflanzen an Straßenrändern) sein. Kohl und Schotengemüse sollten nur in kleinen Mengen gegeben werden (Blähungen!). Außerdem sollte man fetthaltige Getreidekörner wie Leinsamen, Raps, Rüben, Hanf und Negersaat verfüttern, um Vitamin E zuzuführen. Und man sollte Hefe, Eier, frisches Gemüse und Pflanzenkeimlinge regelmäßig geben, um Vitamin B-Mangel zu vermeiden. Zusätzlich zu den oben genannten Sachen, sollte einmal wöchentlich ein handelsübliches Vitaminpräparat über das Trinkwasser gereicht werden. Vorsicht vor überdosierungen von den Vitaminen A, D und E!

p. Mineralstoffe

Ein erhöhter Bedarf an Mineralstoffen besteht zu Zeiten des Wachstums, der Mauser und der Legetätigkeit. Man sollte regelmäßig zerkleinerte Schalen von hart gekochten Eiern oder Muschelkalk zum Futter reichen.

x. Den Kanarienvogel handzahm machen

Kanarienvögel haben aufgrund ihrer Lebensweise kein allzu großes Bedürfnis, sich einem Menschen anzuschließen wie beispielsweise Papageien und Sittiche, die in großen Schwärmen mit einem festen Partner leben. Kanaries haben dagegen nur während der Brutzeit einen Partner, sind aber sonst innerhalb ihres Schwarms ungebunden. Dennoch ist es möglich, den kleinen Einzelgänger so an sich zu gewöhnen, dass er die natürliche Scheu vor der Hand des Menschen verliert, also handzahm wird. Dazu sind allerdings viel Geduld und Ruhe unerlässlich.

a. Der erste Schritt

Dem Kanari sollte man sich erst nähern, wenn er sich eingewöhnt hat. Er muss ruhig bleiben, wenn der man am Käfig hantiert und sollte nicht mehr nervös flattern oder ängstlich sein. Ist es soweit, kann man einmal die Hand langsam durch die geöffnete Käfigtür ins Innere strecken und ein Stück Obst oder ein Salatblatt hineinhalten. Nimmt der Kanari diese Handlung ruhig im respektvollem Abstand zur Kenntnis, ist schon viel erreicht. Wird er aber nervös, sollte man langsam die Hand zurückziehen und es am nächsten Tag zur gleichen Zeit wieder versuchen.

b. Der zweite Schritt

Irgendwann wird der Kanarienvogel den Mut aufbringen, mit langem Hals an dem angebotenem Leckerbissen zu knabbern. Manche Kanaries sind schon nach zwei Tagen soweit, andere erst nach einer Woche. Man sollte Geduld haben und sein Angebot unverändert wiederholen. Dabei sollte man mit dem Vogel reden, damit er sich an den Tonfall der Stimme seines Zähmers gewöhnt.

c. Der dritte Schritt

Hat der Kanarienvogel die Hand als Spenderin von Leckerbissen akzeptiert, traut er sich schon einmal auf den Handrücken oder ausgestreckten Finger zu hüpfen. Wenn man Glück hat, lässt er sich auch auf der Hand tragen, um aus dem Käfig zu dürfen oder in ihn zurückgebracht zu werden. Allerdings sind Kanaries viel zu unruhig und quirlig, um sich stundenlang herumtragen zu lassen beziehungsweise lange am selben Platz zu bleiben.

Tipp

Immer nur den Handrücken als Sitzfläche anbieten, weil manche Kanaries vor der Handfläche Angst haben.

Wichtig

Den Vogel nie greifen, da das das bereits erworbene Vertrauen in die Hand erschüttert. Muss man ihn doch einmal greifen, um Medikamente zu verabreichen, sollte man eine Brille aufsetzen, einen Hut tragen und ähnliche Veränderungen an sich vornehmen, damit der Kanari einen nicht erkennt. Vor allem aber sollte man schweigen, da Kanarienvögel sehr gut darin sind, Stimmen wieder zu erkennen.

xi. Der kranke Kanarienvogel

Ist der Kanarienvogel nicht mehr froh und munter und piepst und hüpft er nicht mehr quicklebendig im Käfig herum, ist er nicht zahm oder schüchtern, sondern krank. So lange es ihnen möglich ist,verbergen sie ihre Krankheiten, aber ein Halter, der sie oft beobachtet, fällt darauf nicht hinein.

xii. Der Gang zum Tierarzt

Da das Immunsystem der Kanarienvögel nicht besonders lange standhält, sollte man alsbald zum Tierarzt gehen, um sie untersuchen zu lassen.

Fragen an den Halter:

  • Wie alt ist der Kanarienvogel?
  • Wann machte er zum ersten Mal einen kranken Eindruck?
  • Was fiel Ihnen besonders auf?
  • War der Kanarie schon einmal krank?
  • Wer hat ihn mit welchen Maßnahmen/Medikamenten behandelt?
  • Welche Körnermischung bekommt er? (Probe mitnehmen!)
  • Was bekommt er zu trinken?
  • Welches Obst und Gemüse hat er zu sich genommen?
  • Könnte er an giftigen Stoffen geknabbert haben?
  • Brütet er gerade?
  • Welche Tiere leben noch mit ihm?

IV. Wellen- & Nymphensittiche

i. Vor der Anschaffung von Wellensittichen

Du wünscht Dir Wellensittiche als Heimtiere und tierische Kameraden? Dann schaue Dir hier erst mal genau an, was man alles vor der Anschaffung bedenken muss.

Leider passiert es viel zu oft, dass Menschen sich Wellensittiche anschaffen, ohne sich zuvor richtig zu informieren. Oftmals landen meine Artgenossen dann im Tierheim, werden ausgesetzt oder verkümmern in einer Ecke der Wohnung, weil man doch keine Zeit hat, sich um ihn zu kümmern oder den Spaß daran verliert. Das finden wir Wellensittiche gar nicht gut! Es ist höchst verantwortungslos.

Man kauft einen Wellensittich nicht einfach nur mal so, weil er so niedlich ausschaut, denn man hat eine ganze Menge Verantwortung für das Wohl des Vogels. Und auch als überraschungs-Geschenk eignen sich lebende Tiere überhaupt nicht, wenn dies nicht mit dem Beschenkten vorher abgesprochen ist.

Die folgende Checkliste zeigt Dir, worüber Du Dir vor der Anschaffung Gedanken machen solltest:

Wellensittiche sind Schwarmtiere, erst in Gruppen von mindestens zwei besser sogar vier Wellensittichen ist artgerechte Haltung möglich. Deshalb planst Du am besten von Beginn an ein, Dir wenigstens zwei Wellensittiche anzuschaffen.

Wünscht Du Dir ein einzelnes Schmusetier, dann sind Wellensittiche leider kein passendes Haustier für Dich. Freust Du Dich dagegen darauf das gemeinsame Verhalten mehrerer Wellensittiche zu beobachten, dann lies hier weiter.

ii. Was kosten Wellensittiche bei der Anschaffung?

Ein Wellensittich kostet ca. 60 Franken im Zoohandel, beim Züchter auch mal weniger! Bei zwei Wellensittichen brauchst Du also ca. 120 Franken. Bei vier Wellensittichen das Doppelte.

iii. Was kostet die Pflege, der "Lebensunterhalt" von zwei Wellensittichen?

Ein Käfig mit Mindestmaßen kostet zwischen 70 - 100 Franken, gesundes Futter, Spielzeug, Einstreu kommen noch hinzu. Bei Käfigen bietet es sich an, von vorneherein einen größeren Käfig zu kaufen, nicht nur das Mindestmaß. Später kommen vielleicht doch noch ein paar Piepmätze dazu, da muss man dann keinen neuen kaufen und hat einen Käfig überzählig. Außerdem können Käfige niemals zu groß sein. Große Käfige sind im Handel zwar etwas teurer, man kann sie aber auch bei Internet-Versteigerungen günstig erwerben. Manchmal geben auch Tierheime gebrauchte preiswerte Käfige ab. Nicht immer sind die teuren Käfige oder Volieren die besten, ein selbstgebauter ist günstiger, individuell und vogelgerecht.

Ein kleinerer Transportkäfig für den Fall, dass man zum Tierarzt muss oder auch mal für Auto-Fahrten (z.B. zur Urlaubspflegestelle) ist auch keine Fehlinvestition, besonders wenn man den etwas kleineren Käfig auch noch als Quarantäne-Käfig für einen kranken Vogel benutzen kann. Bei zwei Wellensittichen halten sich die laufenden Unterhaltskosten in Grenzen und dürften für jedes Portemonnaie erträglich sein.

iv. Kommen außergewöhnliche Kosten auf mich zu?

Spätestens wenn der Vogel mal krank ist und zum Tierarzt muss, kann es teuer werden. Je nach Behandlungsart können die Kosten zwischen 10 Franken und 60 Franken pro Tierarztbesuch liegen. Mit zusätzlichen Laboruntersuchungen auch mal höher. Das übersteigt natürlich den Anschaffungs-"Wert" eines Wellensittichs, trotzdem sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, mit dem kranken Vogel zum Tierarzt zu gehen. Und jeder, der seinen Wellensittich liebt wird das auch gerne tun.

Wenn es Dir nicht möglich ist, diese Kosten zu tragen, solltest Du von dem Gedanken Wellensittiche zum Haustier zu nehmen absehen.

v. Wie viel Zeit braucht man für die optimale Pflege von Wellensittichen?

Das hängt auch ganz individuell davon ab, wie sehr jemand eine emotionale Bindung zu seinen Vögeln aufgebaut hat. Wichtig ist, dass regelmäßige Reinigungsarbeiten erledigt werden, Futter- und Trinkwassergabe gehen schnell und sind nicht sehr zeitaufwendig. Bei mehr als zwei Vögeln bleibt tägliches Staub saugen im Zimmer nicht aus. Wer sich darüber hinaus mit seinen Vögeln intensiv beschäftigen möchte, muss sich besonders anfangs viel Zeit nehmen, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Das Halten von zwei Vögeln und mehr, macht es aber nicht erforderlich, dass der Mensch rund um die Uhr für seine Vögel da ist, wenn alle anderen Pflegemaßnahmen ordentlich durchgeführt werden. Man kann die Vögel ruhig stundenlang sich selbst überlassen und auch mal über Nacht verreisen. Sie werden nichts vermissen. Für Berufstätige sind somit Wellensittiche ideale Haustiere, sofern alle anderen Bedingungen erfüllt werden.

vi. Pflege bei Abwesenheit: Während des Urlaubs, bei Krankheit oder Geschäftsreisen?

Man sollte sich vor Anschaffung bereits überlegen, was mit dem Vogel passiert, wenn man verreist oder ein Krankenhausaufenthalt notwendig ist. Können die Familie, Verwandtschaft oder Freunde die Tiere übernehmen und pflegen. Sind sie bereit dazu? Sprecht das vorher mit eurer Familie ab! Wellensittiche können auch mal ein paar Tage allein bleiben, wenn jemand kommt, der sie mit Futter und frischem Wasser versorgt, ein paar Reinigungsarbeiten (z.B. Einstreu) bei Bedarf erledigt, und auch mal durchlüftet. Oder man bringt bei längerer Abwesenheit die Vögel in die Wohnung des Pflegers. Auch bei Tierheimen kann man nachfragen, ob sie Tiere in vorübergehende Obhut nehmen.

vii. Kompromisse: Stell Dir die Frage: Bin ich "Wellensittichgeeignet"?

Wer sich Haustiere hält, gleich welcher Art, muss immer Kompromisse in seiner Lebensweise machen. Die Wohnungseinrichtung muss tiergerecht angepasst werden. Gelegentlich muss man auch mit Schäden an der Einrichtung rechnen, da Wellensittiche gerne an allem knabbern z.B. an Tapete oder Holzgegenständen. Wellensittiche lassen überall ihre Kotbällchen fallen, sie werden nicht stubenrein. Auch Spelzen, Futterreste und nicht zuletzt Federn werden großzügig um den Käfig verteilt. Man sollte also in dieser Beziehung nicht zu übertriebener Pingeligkeit neigen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Lärm, den Wellensittiche machen können. Schon bei vier Wellensittichen versteht man manches Mal den Fernseher im gleichen Raum nicht mehr! Wellensittich-Liebhaber stören sich daran nicht, aber man sollte sich darüber im Klaren sein.

viii. Gesundheit: Leiden Familien-Mitglieder an Allergien?

Manchmal reagieren Menschen allergisch auf Vögel, dies kann zu erheblichen Atembeschwerden und Erstickungsanfällen führen. Sollte bereits jemand der im gleichen Haushalt lebt unter einer solchen Allergie leiden, ist von der Anschaffung von Wellensittichen dringend abzuraten. Allergiker oder zu Allergien neigende Menschen können sich einem Allergietest beim Hautarzt unterziehen, um festzustellen, ob er auch auf Vögel allergisch reagiert. Selten ist es möglich trotz der Allergie mit Wellensittichen unter einem Dach zu leben, Möglichkeiten dazu sollten mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Eine Alternative ist vielleicht in einem solchen Fall auch, eine Außenvoliere im Garten zu errichten, um nicht ganz auf seine Lieblinge verzichten zu müssen.

ix. Zoohandlung, Züchter oder Tierheim? Wo bekommt man einen Wellensittich her?

Hat man alle wichtigen Fragen im Zusammenhang mit der Anschaffung abgeklärt, so kann man sich darauf freuen, einen Wellensittich zu kaufen. Eine überlegung wert ist die Abnahme eines Wellensittichs aus einem Tierheim. Dort leben oft zahlreiche Wellensittiche, Abgabe- oder Fundtiere, die sicher dankbar für ein neues Zuhause mit Artgenossen sind. Der Kauf beim Züchter hat den Vorteil, dass man genau weiß, wo der Vogel herkommt und man kann sich ein Bild von der Zuchtanlage machen. Die Preise sind beim Züchter meist günstiger als im Zoohandel. Ein Züchter ist auch meist bei der Geschlechtsbestimmung geübter und er weiß auch genau, wie alt seine Vögel und wann sie geschlüpft sind. Aber auch im Zoofachhandel kann man Wellensittiche erwerben, die Zoogeschäfte sind voll davon und die Vögel kommen normalerweise alle aus deutschen Nachzuchten.

x. Welches Geschlecht?

Da es außer Frage steht, dass man mindestens zwei Wellensittiche halten soll, steht die Frage an, welche Geschlechter-Konstellation ist die Beste. Hahn / Hahn oder Hahn / Henne oder Henne / Henne?

Hahn / Henne ist die natürlichste Konstellation und entspricht am ehesten den Bedürfnissen der Vögel nach Partnerschaft. Männchen und Weibchen sind im Verhalten unterschiedlich, da gibt es viel zu beobachten. Normalerweise dominieren die Hennen und werden die Chefs in der Voliere. Für Wellensittich-Männchen ist das aber kein Problem. Mit Nachwuchs ist auch hier normalerweise nicht zu rechnen, solange kein Nistkasten zur Verfügung gestellt wird. Mitunter kommt es zu kleinen Streitereien zwischen beiden, die aber nicht gefährlich sind für die Vögel sondern ihrem natürlichen Wesen entsprechen.

  • Hahn / Hahn ist eine gute Wahl. Hähne verstehen sich meist prima und akzeptieren sich gut.
  • Henne / Henne diese Konstellation ist eher problematisch. Hennen streiten oft und hacken sich auch, besonders wenn männliche Gesellschaft fehlt. Sie werden meist nicht besonders Freund miteinander. Es kann in Ausnahmefällen auch funktionieren, jedoch ist davon nicht unbedingt auszugehen.

xi. Jung- oder Altvogel?

Die meisten Menschen wünschen sich einen ganz jungen Vogel, um den Vogel leichter an sich gewöhnen zu können und weil sie ja so niedlich aussehen.

Jedoch: es muss nicht immer ein Jungvogel sein. Manchmal ist ein Altvogel auch die bessere Wahl, z.B. wenn noch ein älterer Vogel vorhanden ist, ist es auch ratsam einen etwa gleich alten hinzu zunehmen. In Tierheimen warten, oft auch an Menschen gewöhnte, ältere Wellis auf ein neues Heim.

Wenn es aber nun doch unbedingt ein junger Welli sein soll, wie erkennt man ihn? Gerade flügge gewordene Wellensittiche haben besonders große schwarze Augen ohne den weißen Irisring, der sich erst später bildet. Bei jungen Vögeln ist auch das Wellenmuster bis zur Wachshaut vorgezogen. Erwachsene Vögel haben eine weiße oder gelbe Stirn ohne Wellenzeichnung, diese beginnt erst am Hinterkopf.

Es gibt aber auch Farbschläge, die kein Wellenmuster haben z.B. Lutinos, Albinos und Schwarzaugen. Ein weiteres Merkmal ist die Wachshaut (Nasenhaut): Jungvögel haben eine blass-blaue oder blass-rosa Wachshaut.

xii. Beim Kauf

Man darauf achten, dass der Vogel einen gesunden Eindruck macht. Das heißt, er sitzt nicht ruhig und apathisch in einer Ecke, abgesondert von den anderen. Er hat kein verschmutztes Kloakengefieder und das Gefieder ist voll ausgebildet. Beim Züchter kannst Du Dich davon überzeugen, ob der Vogel fliegen kann. In den kleinen Boxen der Zoohandlung, ist dies nur schlecht zu überprüfen.

V. Zebrafinken

i. Herkunftsgebiet

Zebrafinken leben und brüten in den Gras- und Buschsteppen Australiens.

ii. Geschlechtsunterschiede

Die Männchen sind im allgemeinen farbiger und besitzen einen orangen Wangenfleck. Ausnahmen bilden die weissen Farbschläge. Dort erkennt man das Männchen am röteren Schnabel.

Der Wangenfleck ist bei Jungvögeln noch nicht vorhanden, dieser erscheint erst nach der Jungmauser.

iii. Haltung

In ihrer Heimat leben die wilden Zebrafinken in grossen Schwärmen, da sie ausgesprochen gesellig sind. Deshalb sollten sie auch bei uns mindestens zu zweit in Käfigen gehalten werden, deren Masse 70x40x40 cm pro Paar betragen müssen. Die optimale Haltung stellt eine Voliere mit mehreren Pärchen dar. Den Käfig sollte man an einen zugfreien Standort stellen.

Damit Zebrafinken sich wohl fühlen braucht man:

  • Käfig oder Voliere
  • Sitzstangen von verschiedener Dicke oder Naturäste
  • Schlaf- und Nistkörbchen
  • Badegelegenheit
  • Futter und Trinknapf

iv. Nahrung

Die Nahrung besteht aus einer speziellen Körnermischung für Exoten. Als Zusatzfutter kann gegeben werden:

  • ungespritztes Gemüse (z.B. Chicoree / Kopfsalat / Kresse / Gurkenscheiben)
  • ungespritztes Obst (z.B. Apfelstückchen / Bananenscheiben)
  • ungespritzte Wildkräuter (z.B. Vogelmiere / Vogelknöterich / Hirtentäschel / junger Löwenzahn)
  • Kolbenhirse (1x wöchentlich, da der Fettgehalt hoch ist, leiden die Zebrafinken sonst an überfettung.
  • Eifutter während der Zucht
  • Insektenfutter als Leckerbissen

Futter, Wasser und Frischfutter muss täglich erneuert werden.

v. Zucht

Die Elterntiere sollten mindestens 9 Monate alt sein, bevor man mit dem Züchten beginnt. In speziellen Nistkörbchen bauen die Zebrafinken mit Sarpie und Kokosfasern ein Nest.

Zebrafinken brüten das ganze Jahr über und ziehen den Nachwuchs fast immer erfolgreich auf. Ein Gelege besteht aus 4 bis 6 Eiern, die in Abständen von einem Tag gelegt werden. Die Jungen sind blind, nackt und völlig hilflos, wenn sie schlüpfen. Nach ca. 8 Tagen öffnen sich die Augen und auf dem Rücken beginnen die ersten Federn zu spriessen. Mit 20 Tagen sind die Zebrafinken flügge.

Bevor Sie sich für Zebrafinken entscheiden, sollten Sie unbedingt ein entsprechendes Fachbuch gelesen haben.

Für jede Tierhaltung gilt: Kinder müssen von den Eltern angeleitet, beaufsichtigt und kontrolliert werden. Kinder müssen lernen, dass ein Tier seine eigenen Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten hat und dies respektieren. Eltern sollten sich darüber bewusst sein, dass sie es sind, die die Verantwortung für das Tier haben.

VI. Papageien

Der Wunsch nach Papageien ist verständlich. Es sind ausserordentlich faszinierende Vögel. Leider geben ein Grossteil der einstmals begeisterten Papageienkäufer ihre Vögel wieder weiter, so dass sie am Schluss in der APS landen. Dies zeigt, dass Papageien ausserordentlich anspruchsvolle Pfleglinge sind. Zu dem sind und bleiben sie Wildtiere.

i. Bedenkpunkte vor der Anschaffung

Der Titel sagt es bereits: Man sollte, wenn schon, dann gleich zwei artgleiche Papageien anschaffen. Papageien sind sehr soziale Lebewesen, die leiden, wenn sie einzeln gehalten werden. Ein Mensch ist nicht im Stande, dauerhaft und täglich während vielen Stunden einem Einzelvogel Gesellschaft zu leisten und sich mit ihm zu beschäftigen. Vor der Anschaffung muss man wissen, dass Papageien, im Wohnbereich gehalten, sehr viel Schmutz produzieren und Staub abgeben sowie aufwirbeln. Zudem sind es lautstarke Tiere, die einen grossen Platzbedarf haben. Halten sie ihre Papageien nicht in den im Zoofachhandel üblicherweise als Zimmervolieren angebotenen, fahrbaren Käfigen von ungefähr 1 Meter Länge x 75 Zentimeter Breite x 1,50 Meter Höhe ausser es handelt sich um ein Paar Wellensittiche oder Agaporniden. Es gibt heute sinnvollere Lösungen zur Haltung von Papageien im Wohnbereich. Ein Paar Amazonen oder Graupapageien, in beengten Verhältnissen gehalten, entwickeln mit der Zeit oder spätestens bei Erreichen der Geschlechtsreife im Alter von ungefähr 4 Jahren Aggressionen gegeneinander. Ein Vogel wird dann vom anderen unterdrückt, was zu Frustrationen führen kann, die sich beispielsweise in Verhaltensstereotypien oder im Rupfen der eigenen Federn äussern können. Es gibt heute gute Volierenbauer in der Schweiz wie beispielsweise Volierenbau Senn, Heimenhausen, oder Volierenbau

Leuenberger, Rohrbachgraben (bitte beachten Sie die Inserate in der Exotis- Zeitschrift „Gefiederter Freund“), die Zimmervolieren nach Mass bauen und sie auch gleich selber in der Wohnung montieren. Eine solche Zimmervoliere wird bald zum Schmuckstück und Anziehungspunkt einer Wohnung. Sie sollte für ein Paar

Graupapageien oder Amazonen die ungefähren Masse von 2 Meter Länge x 1,8 Meter Breite x Zimmerhöhe nicht unterschreiten. Die Rückwand kann attraktiv mit Urwaldbildern bemalt werden, so dass die farbliche Komponente, die sehr wichtig bei der Haltung von Vögeln ist, gleich eingebunden ist. Sie sehen also, dass die Haltung eines Papageienpaares viel Platz beansprucht. Können Sie diesen Platz aufbringen? Wenn nicht, dann entscheiden Sie sich lieber für Wellensittiche oder Agaporniden. Das Argument, dass die Papageien sowieso viel Freiflug in der Wohnung geniessen wird vielfach angeführt. Bei näherem Nachforschen stellt sich dann heraus, dass in den meisten Fällen Freiflug während höchstens zwei Stunden am Abend gewährt wird. Das heisst, dass die Papageien während den restlichen 22 Stunden im Käfig verbleiben müssen. Da lohnt es sich schon, eine grosszügige Zimmervoliere anzuschaffen. Zudem haben Sie damit eine langfristig gute Lösung für ihre Vögel. Wenn Sie diese Platzansprüche befriedigen können, wenn Ihnen sowie Ihren Nachbarn der Lärm nichts ausmacht, wenn Sie der reichlich produzierte und überall in der Wohnung verteilte Gefiederstaub und der anderweitige Schmutz nicht stört, wenn es Ihnen nichts ausmacht, mit frischen ästen aus dem Wald in Ihrer Wohnung zu hantieren und wenn Sie täglich während etlichen Jahrzehnten für die Papageien sorgen möchten und zudem eine gute, verlässliche Ferienvertretung haben, dann können Sie mit gutem Gewissen an die Anschaffung eines Papageienpaares denken. Einen Hund hat man während 10 bis vielleicht 16 Jahren, Grosspapageien aber können problemlos ein Alter von 50 Jahren oder mehr erreichen.

ii. Welche Art?

Auch wenn es attraktiv aussehen mag, einen Graupapagei und eine Amazone zusammen zu halten so sollte man trotzdem nicht artfremde Tiere, die unterschiedliche Temperamente haben, vergesellschaften. Wenn Sie nicht züchten wollen, spielt es grundsätzlich bei neuweltlichen Papageien wie beispielsweise Amazonen oder Kleinaras keine Rolle ob Sie zwei Tiere des gleichen Geschlechts zusammen halten. Bei Langflügelpapageien aber, wie etwa dem allseits beliebten Mohrenkopfpapagei, ist darauf zu achten, dass nur gegengeschlechtliche Tiere zusammen gehalten werden. Sicher ist diese Lösung auch bei Graupapageien besser obwohl sich hier langfristig zwei gleichgeschlechtliche Exemplare verstehen können. Afrikanische Papageien sind grundsätzlich psychisch diffiziler als neuweltliche. Trotzdem kann ihre Haltung in oben beschriebenen Verhältnissen im Wohnbereich gut gelingen. Gerade Graupapageien geben hauptsächlich wohl sehr laute aber angenehme, melodiöse Laute von sich. In einem Wohnblock gelingt ihre Haltung oftmals besser als diejenige der lautstarken Amazonen. Trotzdem sind Amazonen psychisch belastbarer und deswegen wohl problemloser.

iii. Wo erwerben?

Natürlich gibt es immer wieder Vögel, die günstig oder kostenlos abgegeben werden, weil sie nicht mehr gewünscht sind. Oftmals haben diese Vögel eine schwierige Geschichte hinter sich. Es ist wichtig, dass sich jemand diesen Tieren annimmt. Bedenken Sie aber, dass es grosser Erfahrung bedarf, mit solchen Tieren zu arbeiten und Sie sich damit auch Probleme aufladen können.

Darum ist es in vielen Fällen besser, wenn Sie als Neuling Jungvögel kaufen. Es ist empfehlenswert, junge Papageien direkt beim Züchter zu kaufen. Erwerben Sie keine Vögel an Börsen oder Ausstellungen! Lassen Sie sich die Lebensdaten der Jungvögel wie Schlupf, Aufzucht, Aufzuchtsverlauf, Futter und die Geschichte zu den Elternvögeln erzählen oder besser schriftlich mitgeben. Der Züchter sollte sich Zeit nehmen, Sie optimal zu beraten. Wenn die Zuchtvögel gut und sauber gehalten werden und der Gesamteindruck des Züchters und seiner Anlage gut ist, dann entscheiden Sie sich zum Kauf. Wenn Sie keine Zuchtabsichten hegen, dann können Sie gut auch Geschwister kaufen, die miteinander von Grund auf vertraut sind. Wenn Sie an eine spätere Zucht denken, dann kaufen Sie zwei blutsfremde Tiere entweder beim gleichen Züchter, wenn er mehrere blutsfremde Paare hat, oder aber bei unterschiedlichen Züchtern.

iv. Wie ist es mit der Zahmheit?

Natürlich wünschen sich die meisten Menschen, die Vögel im Wohnbereich halten, zahme Papageien. Bedenken Sie, dass von klein auf einzeln von Hand aufgezogene Papageien fehl geprägt sein können. Elternaufzuchten jung zum Menschen gekommen werden auch zutraulich, jedoch dauert es viel länger. Sie brauchen viel Geduld und Verständnis Elternaufzuchten zu zähmen. Handaufzuchten sind natürlich von Anbeginn an mit dem Menschen vertraut. Die Kleinen sollten aber die ersten Lebenswochen, idealerweise zwei Monate, bei den Eltern verbracht haben. Sicherlich sind die Jungvögel während den ersten Jahren sehr zahm, lassen sich von Ihnen kraulen und in der Wohnung auf der Schulter herum tragen. Bedenken Sie aber, dass bei Erreichen der Geschlechtsreife die Tiere eine Verhaltensänderung durchmachen können und sich plötzlich Ihnen gegenüber Aggressiv zeigen. Nehmen Sie dieses Verhalten als normal an. Es kann sein, dass die Zahmheit mit den Jahren abnimmt. Andererseits ist es gut möglich, dass die Aggressionen nur saisonal bedingt sind. Papageien sind starke Charakteren und reagieren individuell. Es können keine allgemeingültigen Empfehlungen abgegeben werden. Sie müssen offen sein für Veränderungen.

v. Langfristiges Glücklichsein

Sie und Ihre Vögel wollen sicher langfristig glücklich miteinander sein. Die Fütterung der Papageien muss täglich erfolgen. Amazonen sollten mit fettarmen Sämereien (wenig Sonnenblumenkerne) ernährt werden, die während der warmen Jahreszeit auch gekeimt gereicht werden können. Graupapageien brauchen ein proteinreiches Futter, das problemlos auf einer hohen Basis an Sonnenblumenkernen aufgebaut sein kann. Wichtig für alle Arten ist die tägliche Gabe von in Stücke geschnittenen Früchten, Beeren und von Gemüse. Kalksteine sollten vorhanden sein sowie sauberes, täglich erneuertes Trinkwasser. Besonders wenn Sie mit dem Staubsauger tätig sind, ermuntert dies Papageien zu baden. Der Staubsauger erzeugt Luftvibrationen ähnlich einem Gewitter. Lassen Sie den Staubsauger laufen und spritzen Sie Ihre Papageien mit einer Blumenspritze mindestens zweimal wöchentlich ab.

Die Tiere sind nachher lange mit der wichtigen Gefiederpflege beschäftigt. Statten Sie die Zimmervoliere mit verschiedenen, natürlichen ästen aus dem Wald (Buche, Weide, Hasel, Erle, Birke, Esche, Ahorn) aus. Auch senkrechte, knorrige äste bieten ideale Klettermöglichkeiten. In der vegetationsreichen Jahreszeit sollten wöchentlich belaubte äste in die Voliere gegeben werden. Halten Sie ihre Vögel mit Seilen, an einer Schnur aufgereihten Tannenzapfen, mit Schaukeln und anderem Spielzeug beschäftigt. Es ist ein Vergnügen, die Tiere so zu beobachten. Der Boden der Zimmervoliere kann mit staubfreien Buchenholzschnitzeln ausgestattet werden. Die verschmutzten Stellen können so lediglich entnommen werden. Das Ganze muss dann nicht wöchentlich vollständig gewechselt werden. Sicher ist es gut, wenn Sie mit Ihren Tieren sprechen, pfeifen und sich mit ihnen beschäftigen.

Respektieren Sie es aber auch, wenn die Vögel nicht den Kontakt suchen. Achten Sie darauf, dass an zwei verschiedenen Stellen das gleiche Futter angeboten wird und schenken Sie der Tatsache Bedeutung, dass kein Papagei bevorzugt wird, denn zahme Krummschnäbel sind sehr eifersüchtig. Wenn Sie all diese Punkte beachten steht einer langfristigen, glücklichen Beziehung zwischen Ihnen und Ihren Gefiederten Bewohnern nichts mehr im Wege. Sie sehen, dass sich eine Anschaffung von zwei Papageien gut überlebt werden muss, dass sie kostspielig ist und dass die Betreuung während Jahrzehnten sehr anspruchsvoll und zeitaufwendig ist.

VII. Beos

Entsprechend ihres Sozialverhaltens sollten Beo's nicht allein gehalten werden. Auch die Haltung in Gruppen von mehr als 15 Tieren empfiehlt sich nicht. Die paarweise Haltung bzw. Haltung im Familienverband (bis zum Absetzen der Jungvoegel) ist zu empfehlen.

i. Dauerhafte Haltung (über 3 Monate)

Käfig: 1,20 x 0,50 x 0,50 m, Besatz: max. 2 Voegel mit Jungtieren. In Kaefigen gehaltenen Beos ist regelmaessig Zimmerfreiflug zu gewaehren. Anzustreben ist eine dauerhafte Unterbringung in Zimmer- oder Aussenvolieren mit angrenzendem Schutzraum. Voliere: 2,00 x 1,00 x 1,80 m, Besatz: max.2 Voegel mit Jungtieren.

ii. Klimatische Bedingungen und Licht

Beos sind so zu halten, dass sie jederzeit einen Raum von mindestens + 10 °C aufsuchen koennen. Ist dies gegeben, so koennen sie auch bei kaelteren Temperaturen die Aussenvoliere aufsuchen. Die Voegel sind aber vor Ueberhitzung zu schuetzen, z. B. Schattenplatz. Die ausschliessliche Haltung in Aussenvolieren ohne entsprechenden Schutzraum ist abzulehnen.

iii. Ernährung

Entsprechend ihren Ernaehrungsanspruechen hat man Beos mit einer moeglichst abwechslungsreichen Obstnahrung zu versorgen. Darueber hinaus empfiehlt sich die Gabe von Insektenweichfutter, aber nicht ausschliesslich in pelletierter Form (z. B. Beoperlen, Beokoerner u. a.). Auf eisenarme Ernaehrung ist zu achten. Die Nahrung von Beos sollte nur wenig Eisen (Fe) enthalten, da ein zu hoher Eisengehalt im Futter zu gesundheitlichen Stoerungen fuehren kann (Eisenspeicherkrankheit).

  • In den Zoohandlungen werden diverse Futtermischungen, die als Beo-Alleinfutter bezeichnet werden, angeboten. Unterschieden werden dabei zwei grundsaetzliche Sorten:
    Weichfutter und Trockenfutter. Das Weichfutter besteht meistens aus animalischen Bestandteilen, denen Rosinen, Baeckereierzeugnisse, Fruechte, Honig, Eigelb und anderes beigemischt wird. Leider ist es auch schon vorgekommen, dass sich Steine in kirschengroesse in Futtermischungen befanden. Ein Beo hat zwar keine Probleme, solche Steine zu schlucken, aber spaetestens bei der Ausscheidung wird ihm das sicherlich nicht gut bekommen; also rausnehmen!
  • Das Trockenfutter fuer Beos besteht ebenfalls aus animalischen, pflanzlichen etc. Zutaten, die jedoch vorher gemahlen, gemischt und anschliessend extrudiert oder anders ausgedrueckt, unter Druck- und Waermeeinwirkung gepresst werden. Im Handel wird Trockenfutter fuer Beos, je nach Hersteller, unter den Bezeichnungen Beo-Perlen, Pellets, Beo-Granulat, Beo-Koerner etc. angeboten. Im Trockenzustand sind sie ca 3 - 7 mm gross.
  • Beide Arten, ob Weich- oder Trockenfutter, sollten immer mit Wasser angefeuchtet werden. Bei den reinen Trockenfuttermischungen empfiehlt es sich nach unseren Erfahrungen, diese etwa 15 min. in Wasser einzuweichen. Sie saugen dann das Wasser auf und quellen entsprechend. Das aufgesaugte Wasser unterstuetzt so zusaetzlich die Verdauungstaetigkeit im Beomagen.
  • In Bezug auf Wasser moechten wir darauf hinweisen, dass dieses moeglichst eisenarm sein sollte. Bei den Stadtwasserversorgungen sollte es diesbezueglich eigentlich keine Probleme geben. Alternativ kann aber auch kohlensaeurefreies Mineralwasser gegeben werden. Ein zu hoher Eisengehalt, vor allem im Futtermittel, kann langfristig dazu fuehren, dass das ueberschuessige Eisen mit der Zeit immer mehr in der Leber des Beos eingelagert wird und so die "Eisenspeicherkrankheit" beguenstigt (haeufige Todesursache bei Beos). Der Eisengehalt hochwertiger Futteralleinmittel fuer Beos sollte sehr niedrig (nicht eisenfrei) sein, um dieser Erkrankungsform vorzubeugen (FE-Gehalt < 100 ppm).
  • Darüber hinaus sollte man Beos mit einer reichhaltigen Obstnahrung versorgen. Hier sind jedoch saures Obst und Vitamin C-reiche Fruechte nur in geringen Mengen zu reichen. Siehe hierzu auch die Rubrik "Beo und Krankheit" Unterrubrik "Eisenspeicherkrankheit". Weiterhin gehoert zu einer Beoernaehrung auch die Gabe von Lebendfutter wie z. B. Heimchen, Mehlwuermer, Wachsmotten u. a.. Allerdings muss hierzu auch gesagt werden, dass einige Beos nichts mit Lebendfutter anfangen koennen, ja manche sogar Angst davor haben. Die Gruende dafuer koennen vielfaeltiger Natur sein. Der Versuch, Lebendfutter anzubieten, sollte aber auf jeden Fall gemacht werden. Vor allem nicht gleich beim ersten mal aufgeben. Beos koennen neuen Situationen gegenueber sehr misstrauisch sein, so dass man sich in Geduld ueben muss.
  • Hin und wieder trinken Beos neben Wasser auch sehr gerne Fruchtsaefte (ohne Zucker). Auch nehmen siegerne einen handelsueblichen Multivitaminsaft. Hier gilt jedoch auch, wie in der gesamten Beo-Ernaehrung, alles in kleinen Mengen und dafuer so vielseitig bzw. abwechslungsreich wie moeglich.
  • Wenn ein Beo z.B. Obst verzehrt, zerkleinert er dieses meistens, in dem er einen Teil davon auf eine Sitzstange schlaegt, bis ein Stueck herausreisst. Dieses Stueck schluckt er dann in einem Satz hinunter. Das kann mitunter sehr bedrohlich aussehen. Beos würgen jedoch ein zu grosses Stueck oft wieder hervor, um es weiter zu zerkleinern, bis es dann letztenendes Platz im Kropf findet, um dann nach entsprechender Vorverdauung im Magen zu gelangen.
  • Wir möchten noch einmal darauf hinweisen, dass Beos nicht ausschliesslich mit den sogenannten Fertig-Futter- bzw. Allein-Futtermitteln fuer Beos ernaehrt werden sollten. Das bezieht sich sowohl auf Weichfuttermischungen als auch auf Futtermittel in pelletierter Form (Beo-Perlen u. a.). Wie bereits erwaehnt, ist auch immer eine Obstnahrung bereitzustellen. Nach Moeglichkeit sollte ein Beo gleich von Anfang an an die verschiedensten Futtermittel gewoehnt werden.
  • Immer wieder kann man hoeren, dass Beos richtig scharf auf Rosinen sind. Diese sollten aber nur gegeben werden, wenn sie vorher in Wasser eingeweicht wurden. Auch hier gilt wieder, wie bereits gesagt, alles immer nur in geringen Mengen und dafuer moeglichst abwechslungsreich bzw. vielseitig.

VIII. Enten & Gänse

i. Gänse sind Weidetiere

Obwohl Gänse zur Ordnung der Schwimmvögel gehören, halten sie sich vor allem auf dem Lande auf. Dort finden sie auch ihre Nahrung, nämlich Gräser und Kräuter. Im Gegensatz zu Enten fressen Gänse keine Schnecken, Kaulquappen und andere Kleintiere; sie ernähren sich rein vegetarisch.

Für ein Paar Gänse benötigt man ungefähr 300 m 2 Weidefläche. Um die Weide sauber zu halten und um Futtervergeudung vorzubeugen, unterteilt man die Weide am besten in einzelne Parzellen und mäht sie mit Vorteil gelegentlich nach. Gänse nehmen sehr viel Gras auf. Man sagt, dass drei Gänse soviel wie ein Schaf fressen! Hausgänse fliegen kaum noch, doch keine Regel ohne Ausnahme! Die Flugfähigkeit hängt nicht nur von der Rasse, sondern auch davon ab, wie schwer die Tiere sind. Man sollte sich beim Kauf erkundigen, ob die Gans über den Zaun fliegt. Astrid Spiri konnte ihre Diepholzer Gänse bis jetzt mit einem 1,20 m hohen Zaun zurückhalten. Bei Gänsen, welche über den Zaun fliegen, kann man die Flügelfedern stutzen. Ein Kupieren der Flügel, wobei ein Teil des Flügelknochens abgetrennt wird, ist eine Verstümmelung des Tieres und insbesondere bei Haustieren nicht zu rechtfertigen, da man diesen die Flügel stutzen kann, ohne sie in Schrecken zu versetzen. Der Zaun sollte so beschaffen sein, dass sich die Tiere nicht daran verletzen. Gut eignet sich ein flexibler, engmaschiger Hühnerzaun. Auf Kunststoff-Netze sollte man bei Jungtieren verzichten, da sich diese darin verfangen und kläglich umkommen können. Gänse und vor allem Jungtiere hält man mit Vorteil in der Nähe des Wohnhauses, so dass man eingreifen kann, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht.

ii. Badegelegenheit

Obwohl Gänse den grössten Teil des Tages auf festem Boden verbringen, suchen sie nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter täglich eine Badegelegenheit auf, welche deswegen zu einer tiergerechten Gänsehaltung gehört. Im Sommer bei warmen Umgebungstemperaturen dient das Baden auch der Wärmeabgabe. Beim Baden fühlen sich die Gänse wohl; das Bad hilft ihnen, ihr Gefieder und ihre Augen sauber zu halten. An den schnee-weissen Diepholzer Gänsen von Astrid Spiri zum Beispiel sieht man bei trockenem Wetter kein schmutziges Fleckchen. Schwere Gänserassen (über ca. 8 kg Körpergewicht) sind zur Paarung auf 40 - 60 cm tiefes Wasser angewiesen. Dort können die Gänse auch das Paarungsspiel durchführen. Zum Baden wird nicht unbedingt ein Teich benötigt; auch ein Bassin aus Kunstfaser genügt den Ansprüchen der Gänse. Wichtig ist allerdings, dass die Gänse über eine flache Rampe in das Bad gelangen. Diese muss unbedingt so beschaffen sein, dass die Gänse über die Rampe wieder «aussteigen» können. Insbesondere, wenn das Bassin nicht bis zum Rand gefüllt ist, gelingt es den Gänsen nicht, über den Bassinrand zu gelangen, so dass selbst ausgewachsene Tiere ertrinken, wenn ihnen niemand hilft.

Es sollte bis zum Rand nicht höher als etwa 5 cm sind, damit die Gössel darüber steigen können. Es nützt bei Jungtieren nichts, wenn man einen hohen Beckenrand mittels einer Rampe überbrückt, da diese versuchen, auf dem schnellsten Weg zu ihrer Mutter zu gelangen und nicht verstehen, dass sie dazu einen Umweg über die Rampe machen müssen. Da Gänse häufig im Wasser Kot absetzen, sollte das Wasser in einem Behälter alle paar Tage erneuert werden. Auf einem Bauernhof kann das gebrauchte Wasser wie Gülle zur Düngung verwendet werden.

iii. Fütterung

Die anspruchslose Diepholzer Gans kann sich praktisch nur von Gras und Nebenprodukten der Müllerei (Grüsch) ernähren. Letztere sollten jedoch fein gemahlen sein, da sie sonst im Hals kratzen. Möchte man die Mast beschleunigen, dann füttert man Getreideflocken zu. Achtung! Gänse mögen kein Fischmehl, denn sie sind – wie erwähnt – Vegetarier. Das Futter verabreicht man den Tieren am besten in Form von Flocken oder Pellets. Mehlförmiges Futter sollte man anfeuchten und als Brei zur Verfügung stellen. Wer Gänse mästet, muss dafür je nach Rasse und Art der Fütterung 5-6 Monate einrechnen.

iv. Der Stall

Der Stall kann sehr einfach sein; denn die Gänse verbringen in der Regel dort nur die Nacht und die Brutzeit. Er muss in der Nacht unbedingt so verschlossen werden, dass weder Fuchs noch Marder eindringen können. Der Stall muss nicht unbedingt isoliert sein, da Gänse ein warmes Daunenkleid haben, aber im Stall darf es keinen Durchzug geben. Auf einem Bauernhof eignen sich leer-stehende Ställe oder Stallteile für die Unterbringung von Gänsen. Astrid Spiri hat ihre Gänse in einem ehemaligen Schweinestall untergebracht. Es müssen ein eingestreuter Platz vorhanden sein, wo die Tiere liegen können, sowie Futtervorrichtungen, ein Tränkebecken und ein geschützter Nestplatz (z.B. eine alte Hundehütte). Im Sommer bietet ein gemauerter oder isolierter Stall einen kühlen Ruheort.

v. Brut

Gänse haben einen starken Bruttrieb. Die natürliche Brut kommt deswegen ihrem Verhalten entgegen. Die Gans baut sich etwa im Februar an einem geschützten Ort ein Nest. Dafür kommt in einem nicht Fuchs- und Marder- sicheren Gehege nur der verschliessbare Stall in Frage.

Achtung: Junggänse können leicht ertrinken! Ställe müssen verschliessbar sein, so dass sie Fuchs- und Mardersicher sind!

Der oder die Tierhalter bzw. die Tierhalterin muss unter Umständen die Wahl des Nestplatzes steuern. Wer die Eier künstlich ausbrüten lässt, muss die Jungen nicht separat aufziehen, sondern kann sie zu einer «Pflegemutter» geben. Eine Pflegemutter wird die Jungen nur dann adoptieren, führen und verteidigen, wenn sie selbst keine eigenen Jungen hat. Künstliche Bruten benötigen eine Wärmelampe, da eine Gans die Jungen nachts nur dann mit den Flügeln zudeckt, wenn sie die Eier selbst bebrütet hat. Die älteren Gänse nehmen die Gössel in die Grossfamilie auf und verteidigen sie bei Gefahr, indem sie einen Kreis um sie bilden.

vi. Gesundheitsvorsorge

Sauberkeit im Stall, auf der Weide und im Bad beugt den meisten bakteriellen Krankheiten der Gänse vor. Mindestens einmal jährlich sollte man bei den Zuchttieren eine Wurmkur durchführen. Ein für Jungtiere gefährliche Krankheit ist die Salmonellose, welche auch auf den Menschen übertragen werden kann. Wichtig ist die Sauberkeit in den Legenestern! Die Menschen, welche mit Wasservögeln umgehen, sollten sich und ihren Kindern nach dem Kontakt mit den Gänsen gründlich die Hände waschen. Nicht nur kranke, sondern auch gesunde Gänse, welche die Krankheit überlebt haben, scheiden die Krankheitserreger aus. In der Stallapotheke sollten ein Desinfektionsspray und ein Wundverband vorhanden sein sowie Medikamente gegen Federlinge (z.B. Farmspray).

vii. Freude am Tier

Wer Gänse halten möchte, sollte vor allem Freude an den Tieren haben und abklären, welche Eigenheiten die Tiere haben und ob sie zu einem passen. Man muss sich ausserdem fragen, ob man genügend Zeit und Platz für die Tiere hat und ob man sich gegenüber den manchmal aggressiven Tieren durchsetzen kann. Auch die Nachbarschaft sollte man nicht vergessen; denn manche Gänsearten können viel Lärm machen z.B. wenn häufig fremde Leute vorbeikommen.

viii. Anschaffung von Enten

  • Enten nur als Paar (Ente und Erpel) halten
  • leine Küken kaufen, erst im Alter von ca. 8 Wochen ist das Geschlecht erkennbar
  • keine Küken kaufen, sie sollten nicht von der Mutter getrennt werden
  • sicherstellen, dass keine Geschwister gekauft werden (Inzucht!)
  • vorteilhaftester Zeitpunkt zum Entenkauf ist der Herbst
  • nur Tiere aus guten Haltungsbedingungen kaufen (Augenschein!)
  • wenn möglich, reinrassige Enten eines Farbschlags kaufen
  • Informationen über die Vorgeschichte einholen
  • genaues Alter der Enten
  • Infos über eventuelle Impfungen
  • eventuelle Entwurmungen und wie lange sie her sind
  • womit wurden die Enten bisher gefüttert
  • gibt es etwas was sie speziell gerne mögen
  • wie waren sie bisher untergebracht
  • von der Mutter aufgezogen oder aus Kunstbrut
  • Transport der Ente in einem nicht zu grossen, gut gepolsterten Karton mit ausreichender Luftzufuhr
  • längere Transportfahrten unterbrechen, Wasser anbieten

ix. Auf was achtet man beim Kauf?

  • Enten selber abholen und kein Tier annehmen mit tränenden oder nicht ganz geöffneten Augen
  • darauf achten ob die Nasenlöcher frei sind und das Tier unbeschwert atmet
  • Kloake untersuchen und auch an dem Tier riechen (Kokzidiose kann man riechen)
  • die Tiere erst im Auslauf beobachten und nach Farbe und Zustand des Kotes schauen
  • in den dan Stall schauen und schnuppern und auch die andren Tiere anschauen.

Für die Anschaffung eines Entleins für ein ganzes Entenleben sollte man sich schon ein wenig Zeit nehmen. Das gewohnte Futter für die erst Woche nimmt man möglichst mit.

x. Eingliederung eines neuen Erpels

Optimal ist die Eingliederung eines neuen Erpels im August, weil sich die Paare für das Folgejahr im September bilden und dann auch zusammenbleiben. In dieser Zeit sind die Tiere durchgemausert und Jungtiere (zur richtigen Zeit gebrütet!) voll entwickelt und der Balztrieb ruht, Konflikte gibt es dann weniger.