Die Schildkröte

I. Tipps zur Anschaffung

Schildkröten gehören zu den Reptilien undsind verwandt mit Schlangen, Echsen und Krokodilen. Wie alle Tiere dieser Klasse sind Schildkröten sensible Wildtiere, die in Gefangenschaft nur schwer zu halten sind. Alle heute noch existierenden Schildkrötenarten sind außerdem vom Aussterben bedroht Deshalb dürfen sie nur gehalten werden, wenn eine artgerechte und über viele Jahre dauernde Pflege gewährleistet ist. Möchte man sich aber ernsthaft eines dieser faszinierenden Tiere anschaffen, und ist bereit, es über viele Jahre intensiv zu pflegen, sollte man sich vorher genau mit dem Thema auseinandersetzen.

Ich möchte deshalb hier beschreiben, welche Arten für Anfänger geeignet sind und worauf man bei der Haltung achten muss. Zu aller erst sollte man sich ein paar wichtige Fragen stellen:

  • Habe ich die Möglichkeit den Tieren ein artgerechtes ausreichend großes Freigehege anzulegen?
  • Habe ich die Möglichkeit täglich an frische Wildkräuter zu kommen?
  • Kann ich die Kosten aufbringen?
  • Bin ich mir darüber im Klaren, dass Landschildkröten sehr alt werden können, sodass sogar eine Weitervererbung gut möglich ist?
  • Wer soll sich um das Tier kümmern? (Schildkröten sind kein Kinderspielzeug oder gar ein Kuscheltierersatz und für Kinder nahezu ungeeignet!)
  • Kann ich mir mehrere Tiere leisten? (Man sollte mind. 2 Tiere erwerben, da eine Einzelhaltung strickt abzulehnen ist. Ein Tier, das in alleine gehalten wird, ist nach einer gewissen Zeit verhaltensgestört. Man hält außerdem niemals mehr Männchen als Weibchen oder ein Pärchen zusammen, da die Weibchen aufgrund des stark ausgeprägten Werbetriebes der Männchen sonst nicht zur Ruhe kommen und ständig belästigt würden.)

Ist man sich nun darüber bewusst, dass die Anschaffung einer Schildkröte keine Spontanaktion sein sollte, kann man nun weiter darüber nachdenken. Im Zoogeschäft werden einem meisteine ganze Reihe von Landschildkröten angeboten. Jedoch nicht alle sind für den Kauf auch wirklich geeignet. Von allen Landschildkrötenarten sind die Europäischen Landschildkröten wohl am einfachsten zu halten. Mit den Tropischen Arten ist meist ein ungeahnter und nicht zu empfehlender Aufwand verbunden. Die optimale Schildkrötenrasse für Anfänger ist aber sogar noch weiter einzugrenzen. In Anbetracht des Klimas und der Größe ist nun ganz konkret die Ostrasse der griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni boettgeri) (zu empfehlen), da sie etwas geringere Ansprüche stellt, als die anderen Rassen und daher am geeignetsten ist.

Nun sollte man sich aber gut vorbereiten, bevor man in das Zoogeschäft spaziert. Man sollte sich vor allem gute Literatur anschaffen, zu empfehlen sind hier z.B. diese beiden Bücher: „Griechische Landschildkröten“ (R. Zirngibl) oder „Die natürliche Haltung und Zucht der Griechischen Landschildkröten“ (W. Wegehaupt). Generell sollte man sich eine Schildkröte übrigens im Frühling anschaffen, wenn sie aus der Winterstarre erwacht sind.

II. Unterbringung

Natürlich muss auch die Unterbringung vorher fertig sein. Schildkröten dürfen nämlich keinesfalls frei in einer Wohnung oder einem Zimmer herumlaufen.

Man braucht für den Anfang (wie gesagt, man sollte sich eine Schildkröte im Frühling anschaffen) also ein übergangsterrarium . So ein Terrarium sollte mindestens 10x so lang sein wie die Schildkröte und ca. halb so breit wie lang. Natürlich ist es am besten, wenn es noch größer ist. Außerdem sollte es nach oben offen sein. Für den Boden braucht man mindestens 10-15cm Terrariensubstrat, am besten eignet sich Gartenerde. Das Substrat muss immer leicht feucht gehalten werden. Schön für das Tier sind immer Versteckmöglichkeiten in Form von Steinhöhlen, Wurzeln oder ausgestochenen Grasnaben.

Zur Beheizung des Terrariums benutzt man eine Wärmelampe und niemals Heizsteine oder ähnliches; die Wärme muss nämlich immer von oben kommen. Da Schildkröten Wärme durch Helligkeit wahrnehmen, müssen wir ihnen zusätzlich das Sonnenlicht ihrer Vorkommensgebiete simulieren. Das schafft keine Lampe zu 100%, aber die heutigen 125W+ HQL (ca. 5000 Lux/Lumen) bzw. 70W/150W+ HQI Strahler (5000-11000 Lux/Lumen) kommen am nächsten an die Realität heran.

Für den Frühsommer sollte auch schon ein Freigehege geplant werden. Jungtiere bis 200g werden zunächst noch in einer Schutzhütte gehalten, da das Freiland für sie zu offen und gefährlich (auch in Bezug auf Fressfeinde) ist. Je nach Wetterlage sollte aber das Dach offen sein, so dass die Sonne hineinscheinen kann. Des weiteren muss sie wie ein Terrarium beheizt und Beleuchtet werden. Jungtiere ab 200g können dann schon im Freigehege gehalten werden, jedoch brauchen auch sie noch den Zutritt zur Schutzhütte. Das Freigehege sollte für eine Schildkröte mindestens 10 qm groß sein und für jedes weitere Tier sollten wieder mindestens 5 qm dazukommen. Mit dem Platz sollte man sehr großzügig umgehen! Zur Standartausstattung eines Freigeheges gehört aber noch mehr: Man braucht Versteckmöglichkeiten, Sonnen- und Schattenplätze, Trinkstellen, sowie Wärmelampen, die bei bedecktem Himmel eingesetzt werden müssen. Außerdem benötigt man einen ganztägig sonnenbeschienenen, unbewachsenen Erdhügel für die Eiablagen der Weibchen. Wichtig ist auch eine ausbruchsichere Umrandung des Geheges, da Schildkröten gute Kletterer sind. Da die Nahrung von Griechischen Landschildkröten fast ausschließlich aus Wildkräutern besteht, sollten im Gehege auch hauptsächlich solche wachsen. Flache Sträucher sollten zum Schatten spenden angepflanzt werden.

III. Futter

Generell kann man wohl sagen, dass dem Tier alles gut bekommt, was auf natürlichen ungedüngten Wiesen wächst. In ihren Heimatländern ernähren sich Schildkröten nur von Pflanzen.

Tierische Nahrung wird nur rein zufällig aufgenommen und ist langfristig auch nicht gesund, da es den Wachstum unnatürlich beschleunigt und der Leber und Nieren schadet.

Weiter ist für die Gesundheit eine ausreichende Zufuhr von Kalzium wichtig. Es kann in Form von Kalkpulver (erhältlich im Tierhandel), Eierschalen, oder unbehandelten Sepiaschalen unters Futter gemischt werden. Löwenzahn sorgt meist auch schon für einen guten Ausgleich. Kopfsalat, Gurken, Tomaten, Paprika oder Kürbis sollten nicht verfüttert werden, da sie sehr phosphorhaltig sind und somit zu einem überschuss führen können. Kopfsalat wurde nur für den menschlichen Verzehr gezüchtet und ist für Schildkröten nicht sehr nahrhaft. Früchte aller Art (Bananen) und insbesondere unreife Früchte mit hohem Fruchtzuckeranteil schädigen die Darmwände und führen unter anderem zu wässrigen Kotausscheidungen.

Beobachtet man die ursprüngliche Ernährung der Schildkröten, sieht man, dass die Tiere in ihren Heimatländern in den heißen Sommermonaten kaum saftiges Futter finden. Dadurch wird der Wachstum verlangsamt und der weit verbreiteten Höckerbildung wird entgegengewirkt. Nimmt man sich ein Beispiel daran, sollte man im Hochsommer auch Heu verfüttern.

Nahrungsergänzungsprodukte wie Vitaminpräparate braucht eine gesunde Schildkröte nicht, da sie alle notwendigen Stoffe aus der ausgewogenen Nahrung ziehen kann. Präparate sind schwer zu dosieren und überdosen schaden nur. Bei vereinzelten Mangelerscheinungen sollte man Vitamine in Form von ausgewähltem Futter verabreichen und mit dem Tierarzt sprechen.

Weiteres gesundes Futter aus der Natur: Spitzwegerich, Storchenschnabel, Disteln, Endivien, Feldsalat, Brombeerblätter, Labkraut, Wiesenkraut, Winden, Hahnenfuss und Gänseblümchen.

IV. Winterstarre

Die richtige Bezeichnung für die überwinterung bei Reptilien lautet Hibernation oder Winterstarre. Landschildkröten halten die um die Kälteperiode, also den Winter zu überbrücken. Die Winterstarre gehört also zum natürlichen Jahreszyklus der mediterranen Landschildkröten und muss unbedingt allen Tieren ab dem ersten Lebensjahr ermöglicht werden. Gerade bei Jungtieren ist die Winterstarre notwendig, da diese sonst zu schnell wachsen und daran erkranken. Tiere die regelmäßig ihre Winterstarre halten sind widerstandsfähiger, kontrastreicher gefärbt und wesentlich agiler. Viele Halter haben Hemmungen, ihre Schildkröten zu überwintern weil sie Angst haben, dass sie erfrieren oder verhungern könnten. Doch diese Einstellung ist falsch und schadet dem Tier nur. Darauf verzichten sollte man nur bei kranken oder geschwächten Tieren, da diese im Winter sterben könnten.

Landschildkröten sind wechselwarme Tiere und können sich nur durch äußere Einflüsse erwärmen und abkühlen. Der Stoffwechsel arbeitet bei einer Temperatur von ca. 35-37°C am besten. Bei kühleren Temperaturen tritt demnach genau das Gegenteil ein. Die Tiere bewegen sich dann sehr träge und der Stoffwechsel arbeitet nur noch sehr langsam und ungleichmäßig. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Tiere immer zwischen ihrer Vorzugstemperatur und kühleren Temperaturen wählen können um sich selbst so auf ihre Idealtemperatur zu bringen.

Wenn es Herbst wird, die Temperaturen unter 8°C sinken und das Tage immer kürzer werden, stellen sich die Tiere langsam aber sicher um. Sie stellen nach einer gewissen Zeit von alleine die Nahrungsaufnahme ein und fangen an ihren Darm zu entleeren. Wenn die eine Temperatur von ca. 5°C erreicht wird, fallen die Tiere in die Winterstarre und reduzieren ihren Stoffwechsel auf ein Minimum. Ihr Herz schlägt bei dieser Temperatur nur etwa 5 Mal in der Minute!

Schildkröten können draußen oder drinnen überwintern. Die beste und sicherste Methode ist aber wohl die überwinterung im Kühlschrank. Die Temperatur ist leicht zu überwachen und schwankt nicht wie im Keller oder im Freiland. Die Schildkröte gräbt sich in ein leicht feuchtes Substrat aus Gartenerde und Sand ein, dessen Temperatur man mit einem Thermometer überwacht. Die Vorbereitung beginnt 4 Wochen vor der geplanten Einwinterung und muss in mehreren Schritten und sehr gewissenhaft durchgeführt werden.

Die Auswinterung beginnt nach 3,5-4,5 Monaten. Dann werden die Tiere aus dem Kühlschrank genommen und langsam wieder an wärmere Temperaturen gewöhnt. Sie dürfen nicht ruckartig aus der Winterstarre herausgerissen werden.

V. Webtipps