Die Nager

I. Meerschweinchen

Herkunft: Südamerika, Anden
Lebenserwartung: 6 - 10 Jahre
Geschlechtsreife: Weibchen im Alter von 21 - 35 Tagen, Männchen im Alter von 35 - 60 Tagen
Aktivitätszeit: Meerschweinchen sind dämmerungsaktiv. Wenn sie als Heimtiere gehalten werden, sind sie auch am Tag aktiv.

i. Natürliche Lebensweise:

Meerschweinchen sind Gruppentiere. In einer Gruppe lebt ein Männchen zusammen mit 2-6 Weibchen und deren Nachkommen, mehrere Gruppen schliessen sich zu Clans zusammen. Sie bewohnen flache, nicht selbstgegrabene Erdbauten, welche sie in der Dämmerung verlassen, um auf Futtersuche zu gehen. Dabei sind sie während vieler Stunden in Bewegung, die meiste Zeit unter dichter Vegetation zum Schutz vor Feinden. Bei Gefahr verstecken sie sich sofort im Schilf oder unter Büschen. Domestizierte Meerschweinchen lebten (und leben) in den Anden-Ländern frei im und um das Haus oder in grossen Freigehegen. Sie wurden früher vor allem als Fleischlieferanten gehalten, aber auch als Heimtiere und Gefährten.

ii. Haltung in der Wohnung:

Die Einzelhaltung ist nicht artgerecht. Es müssen mindestens zwei bis drei Tiere zusammen leben können. Am besten eignen sich zwei Weibchen zusammen mit einem kastrierten Männchen. Es wird empfohlen, die Männchen vor der Geschlechtsreife, das heisst im Alter von etwa 4 Wochen, kastrieren zu lassen. In einem genügend grossen Gehege mit mehreren Unterschlüpfen können auch kastrierte Männchen zusammen gehalten werden.

iii. Tiergerechter Käfig:

Die herkömmlichen Käfige sind zu klein für die tiergerechte Haltung von Meerschweinchen. Auch in der Wohnung muss den Tieren ein genügend grosser Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. Ideal wäre eine Fläche von mehreren Quadratmetern. In guten Zoofachgeschäften sind moderne Käfige erhältlich, welche zumindest anderthalb bis zwei Quadratmeter gross sind. Kleinere Käfige müssen mit einer zweiten Etage inklusive Rampe und Häuschen eingerichtet werden, damit die nutzbare Fläche auf 2 Quadratmeter vergrössert wird. Es besteht auch die Möglichkeit, das Meerschweinchengehege mit einfachen Mitteln und etwas Fantasie selbst zu bauen. Der Käfig sollte an einem ruhigen und hellen Ort stehen, wo er aber nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Es muss immer für frische Luft gesorgt werden. Räume, in denen geraucht wird, eignen sich nicht für die Tierhaltung.

iv. Ganzjährige Haltung im Freien:

Es ist ideal, wenn den Meerschweinchen im Garten ein grosses Freilandgehege mit mehreren, gut isolierten Unterschlüpfen eingerichtet werden kann. Die Unterschlüpfe müssen so gross sein, dass alle Tiere gleichzeitig darin Platz finden. In einem fuchs- und mardersicheren Gehege, welches mindestens 4 Quadratmeter gross ist, können sie das ganze Jahr draussen gehalten werden. Auf keinen Fall darf man jedoch einfach einen Käfig ins Freie stellen! Das Meerschweinchengehege wird vorzugsweise an einem geschützten Platz im Garten eingerichtet. Im Sommer müssen Meerschweinchen gegen direkte Sonneneinstrahlung geschützt werden, da sie gegenüber hohen Temperaturen sehr empfindlich sind. Leider kommt es immer wieder vor, dass sie an Hitzschlag sterben. Natürliche Beschattung durch Bäume und Sträucher ist ideal, wobei aber der Lauf der Sonne beachtet werden muss! Ein Abdecken des Geheges mit Tüchern ist gefährlich, da darunter Hitzestaus entstehen können.

v. Einrichtung des Käfigs / Geheges:

Meerschweinchen sind Fluchttiere. Sie müssen sich jederzeit an einen geschützten Ort zurückziehen können, da sie sonst unter Angst und Stress leiden. Es sollen deshalb immer mehrere Unterschlüpfe, jedoch aber mindestens einer pro Tier vorhanden sein. So können sich die Tiere auch gegenseitig aus dem Weg gehen, wenn sie einmal nicht dicht beisammen sein wollen, ohne dass es zu Auseinandersetzungen kommt. Als Rückzugsmöglichkeiten eignen sich wetterfeste Holzhäuschen, Harrasse, Betonröhren (Durchmesser mindestens 20 cm), Hohle Baumstämme, Korkrinden, Tannenäste und Wurzelstrünke, welche die Meerschweinchen auch gern als Klettermöglichkeit nutzen. Der Käfig für die Wohnung sollte einen Boden aus Kunststoff aufweisen und mit geeigneter Einstreu versehen sein, z.B. Rindenschnitzel oder Strohhäcksel. Die Einstreu muss stets sauber und trocken gehalten werden. Der Käfig muss je nach Bedarf alle paar Tage gereinigt werden. Zur Bereicherung des Käfigalltages werden frische äste als Nagematerial gegeben. Wenn Sie noch einen herkömmlichen Käfig besitzen, können Sie den Lebensraum Ihrer Meerschweinchen behelfsmässig verbessern, indem Sie mit einem Brett in einem Teil des Käfigs eine zweite Ebene einrichten, welche mit einem Unterschlupf und einer kleinen Rampe ausgestattet ist. So kann die nutzbare Fläche um etwa einen Drittel vergrössert werden.

vi. Futter

Heu ist das Grundnahrungsmittel für Meerschweinchen und muss immer in guter Qualität vorhanden sein. Es wird mit einer handelsüblichen Futtermischung ergänzt. Körnerfutter sollte jedoch nicht in zu grossen Mengen verabreicht werden und muss je nach Nährzustand auf zweimal täglich einen Löffel rationiert werden. Ausnahme: Meerschweinchen, welche bei tiefen Temperaturen im Freien gehalten werden, brauchen deutlich mehr Körnerfutter. Meerschweinchen haben einen hohen Bedarf an Vitamin C. Dieser kann mit täglichen Grünfuttergaben wie Gemüse, Salat, Karotten, äpfeln und Löwenzahn optimiert werden. Zur Vervollständigung des Nährstoffangebotes kann zusätzlich ein Mineralstein für Nager ins Gehege gelegt werden. Als Nagematerial eignen sich frische Zweige von ungiftigen und ungespritzten Bäumen, wie Buche, Hasel oder Rottanne, die mehrmals pro Woche erneuert werden sollten. Sauberes Wasser soll immer zur Verfügung stehen. Achtung: Meerschweinchen besitzen empfindliche Verdauungsorgane. Jeder rasche Futterwechsel ist zu vermeiden!

vii. Umgang:

Wegen ihres schwachen Beckengürtels sind Meerschweinchen stets mit beiden Händen aufzunehmen, wobei eine Hand das Becken stützt. Meerschweinchen sind keine Streicheltiere!

viii. Fortpflanzung:

Meerschweinchen sind bereits mit ein bis zwei Monaten geschlechtsreif. Nach einer Tragzeit von 65 Tagen bringen die Weibchen 1 bis 4 voll entwickelte, behaarte und sehende Junge zur Welt, welche sie während 2-3 Wochen säugen. Sie können bis 5 Würfe pro Jahr aufziehen. Männchen müssen unbedingt vor der Geschlechtsreife, das heisst im Alter von 4 Wochen kastriert oder von der Mutter und den Schwestern getrennt werden, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Da Meerschweinchen sich sehr schnell vermehren und es schwierig ist, wirklich gute Plätze für den Nachwuchs zu finden, ist von der Zucht abzuraten.

ix. Extremrassen:

Extreme Zuchtform, wie z.B. Meerschweinchen mit extrem langen Haaren, sollen weder gekauft noch gezüchtet werden.

x. Kinder und Meerschweinchen:

Obwohl Meerschweinchen leicht zahm werden, sind sie keine Kuscheltiere. Sie eignen sich nicht dazu, von Kindern herumgetragen und geknuddelt zu werden. Da sich Meerschweinchen aufgrund ihres angeborenen Verhaltens nicht wehren können und nur unbeweglich sitzen bleiben, wenn sie Angst haben, wird oft angenommen, dass sie gern durch Kinderhände manipuliert würden. Diese weit verbreitete Meinung ist jedoch falsch und kann unbemerkt zu regelrechten Tierquälereien führen. Wenn Meerschweinchen artgerecht gehalten werden, erfreuen sie uns durch ihr interessantes, natürliches Verhalten. Sie werden zutraulich, nehmen Futter aus der Hand und lassen sich streicheln, ohne dass sie festgehalten und aus dem Gehege genommen werden müssen. Für jede Tierhaltung gilt:

Kinder müssen unbedingt von Erwachsenen angeleitet und beaufsichtigt werden. Sie müssen lernen, mit den ihnen anvertrauten Tieren rücksichtsvoll umzugehen und deren Bedürfnisse zu respektieren. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Tiere unbemerkt und ohne Absicht in Angst versetzt werden oder dass ihnen die Kinder Schmerzen zufügen.

xi. Kosten:

Tiergerechtes Gehege: ab Fr. 500.- (www.kleintierstaelle.ch)
Tiere: ab ca. Fr. 35.-
Kastration: ca. Fr. 80.-
Futter und Einstreu: ca. Fr. 25.- bis 40.- pro Tier und Monat
Tierarzt: Diese Kosten können den Preis des Tieres um ein Vielfaches übersteigen

xii. Fragen vor der Anschaffung:

  • Meerschweinchen können bis zu 10 Jahre alt werden. Sind Sie wirklich bereit, solange für die Tiere die Verantwortung zu übernehmen?
  • Haben Sie die Zeit, um die Tiere täglich zu füttern und mehrmals in der Woche auszumisten?
  • Haben Sie sich ein minimales Grundwissen angeeignet um zum Beispiel zu erkennen, wenn ein Tier krank ist?
  • Haben Sie eine Urlaubsvertretung organisiert?
  • Leidet jemand in Ihrer Familie unter Allergien?
  • Haben Sie genügend Platz (mind. 2 Quadratmeter) für ein Käfig/ Gehege?

über diese und sicher noch weitere Punkte sollten Sie sich im klaren sein, bevor Sie sich ein Tier anschaffen.

xiii. Weiter Informationen:

Die Geschäftsstelle des Tierschutzverein Sirnach und Umgebung stellt Ihnen kostenlos Broschüren und Bücher zur Verfügung.

II. Kaninchen und Zwergkaninchen

Lebenserwartung: 8 - 10 Jahre
Geschlechtsreife: Im Alter von ca. 3 Monaten

i. Natürliche Lebensweise:

Kaninchen sind nachtaktive Gruppentiere und bewegen sich gern und viel. Obwohl sie seit Jahrhunderten domestiziert sind, verhalten sie sich immer noch sehr ähnlich wie ihre wilden Vorfahren. Diese leben in Gruppen mit klarer Rangordnung. Sie graben sich weit verzweigte Röhrensysteme in die Erde, in denen sie bei Gefahr Zuflucht suchen und die Weibchen ihre Jungen werfen. Kaninchen sind von Natur aus sehr scheu. Achtung: Zwergkaninchen (fälschlicherweise auch Zwerghäsli genannt) haben die gleichen Bedürfnisse wie grosse Kaninchenrassen und stammen alle vom Wildkaninchen ab, nicht vom Feldhasen!

ii. Gruppenhaltung und Kastration:

Die Einzelhaltung von Kaninchen ist nicht tiergerecht. Auch die Haltung eines Kaninchens mit einem Meerschweinchen entspricht nicht den Bedürfnissen der Tiere, obwohl dies bei Zwergkaninchen manchmal praktiziert wird. Weder ein Meerschweinchen noch ein Mensch sind ein Ersatz für einen Sozialpartner der gleichen Art! Kaninchen sollen daher immer mit Artgenossen zusammen gehalten werden. Sie sollten jedoch von klein auf aneinander gewöhnt sein. Das Zusammenbringen von älteren Tieren oder das Integrieren eines fremden Tieres in eine bestehende Gruppe kann schwierig sein. Einander bekannte Tiere leben friedlich in der Gruppe, sofern ihnen ein grosses Gehege mit mehreren Unterschlupfmöglichkeiten zur Verfügung gestellt wird, damit sie sich voreinander zurückziehen können. Eine Gruppe von mehreren Weibchen und kastrierten Böcken ist zu empfehlen. Kaninchen werden bereits mit drei Monaten geschlechtsreif. Dann beginnen die männlichen Tiere, einander zu bekämpfen, weshalb sie rechtzeitig zu kastrieren sind. Auch die Frühkastration vor der Geschlechtsreife ist möglich. Dieser Eingriff muss unter Narkose von einem spezialisierten Tierarzt vorgenommen werden.

iii. Zucht:

Von der Zucht von Kaninchen muss abgeraten werden, denn Kaninchen werfen bis zu zehn Junge aufs Mal und geeignete tierfreundliche Plätze für den Nachwuchs sind schwierig zu finden. Die Trennung der Jungtiere von der Mutter kann im Alter von 8 -12 Wochen geschehen. Auch für die Zucht müssen den Kaninchen viel Raum und Auslauf, sowie verschiedene Rückzugsmöglichkeiten und trockene Einstreu zur Verfügung gestellt werden. Zudem braucht die Zibbe zusätzlich eine spezielle Nestboxe mit einem röhrenförmigen Eingang, den sie selber verschliessen kann.

iv. Unterbringung:

a) In der Wohnung:
Von der Haltung von Kaninchen in der Wohnung ist abzuraten. Auf jeden Fall muss ihnen ein grosser Käfig (mind. 2 Quadratmeter) mit dauerndem Freilauf in einem speziell dafür eingerichteten Kaninchenzimmer geboten werden (keine Kabel, wertvolle Teppiche und Möbel...). Verschiedene Unterschlupfmöglichkeiten, erhöhte Sitzflächen und trockene Einstreu, am besten Stroh, sind unbedingt notwendig.

b) Im Freien:
Von der Haltung im Freien im herkömmlichen Kaninchenstall ist ebenfalls dringend abzuraten (siehe unten), wie auch von Ställen mit Gitter- oder Lattenrosten ohne Einstreu. Die Gruppenhaltung in einem grossen Freilaufgehege (im Freien oder in einem hellen Gebäude) kann die natürlichen Bedürfnisse der Tiere am besten erfüllen. Das Kaninchengehege muss unbedingt mit mehreren Unterschlupfmöglichkeiten wie Röhren, Erdhügeln, aber auch mit erhöhten Ebenen wie z.B. Häuschen mit Dachstock eingerichtet werden, damit sich die Tiere bei Bedarf voreinander zurückziehen können. Eine wetterfeste, gegen Kälte und Hitze isolierte Hütte ist ebenfalls nötig. Die nachtaktiven Kaninchen dürfen aber nachts nicht in kleinen Ställen eingeschlossen werden! Als Schutz gegen Marder und Füchse empfiehlt es sich, den unteren Teil des Gehegegitters in den Boden zu versenken und den Zaun oben mit einem elektrischen Viehhüter zu sichern. Eine Anleitung zum Selbstbau eines Freiland-Geheges können Sie in der Geschäftsstelle des Tierschutzverein Sirnach und Umgebung beziehen.

v. Voraussetzungen für die erfolgreiche Zusammenstellung einer Kaninchengruppe:

  • Gut strukturiertes Gehege von mindestens sechs Quadratmetern Grösse (für zwei bis drei Tiere)
  • Viele geschützte Unterschlüpfe
  • Genügend Nagematerialien zur Beschäftigung
  • Alle Tiere gemeinsam ins frisch gemistete und gestaltete Gehege geben
  • Keine reine Weibchengruppen
  • Kaninchenböcke immer kastrieren (auch Brüder)
  • Bei Rangordnungskämpfen nicht eingreifen
  • Nerven bewahren und den Tieren Zeit lassen
  • Allgemeinzustand und Fressverhalten der Kaninchen gut beobachten

vi. Nahrung:

Reichlich Heu und Stroh, Karotten, äpfel, Gras, ein wenig Körnermischung und ab und zu ein wenig hartes Brot. Bei kaltem Wetter muss Körnermischung als Energiespender in grösseren Mengen angeboten werden. Frische äste von ungiftigen und nicht gespritzten Bäumen und Sträuchern zum Benagen sowie frisches Wasser sollten immer verfügbar sein. Eine Umstellung des Futters - z.B. von Heu auf Gras - darf nicht abrupt geschehen, sondern muss bei langsamer Angewöhnung vorgenommen werden.

vii. Pflege:

Kaninchen haben einen sehr feinen Geruchssinn. Deshalb leiden sie, wenn ihr Gehege nicht regelmässig vom ammoniakhaltigen Urin gereinigt wird. Schmutzige Käfige erhöhen auch die Gefahr der oft tödlich verlaufenden Kokzidieninfektion. Die Reinigung der Gehege, die 2x wöchentlich vorgenommen werden soll, nimmt relativ viel Zeit in Anspruch.

viii. Kinder und Kaninchen:

Kaninchen, insbesondere Jungtiere und Zwergkaninchen („Zwerghäsli“) sehen niedlich aus und sind besonders für Kinder sehr attraktiv. Kaninchen sind jedoch keine Kuscheltiere und eignen sich nicht dazu, herumgetragen und geknuddelt zu werden. Es gibt Tiere, welche sich nicht wehren und unbeweglich sitzen bleiben, was jedoch nicht heisst, dass sie gerne durch Kinderhände manipuliert werden. Oft kommt es vor, dass die Kinder von den Kaninchen gekratzt oder gar gebissen werden, vor allem, wenn die Tiere etwas älter werden. Wenn Kaninchen in tiergerechter Haltung in Gruppen leben, können sich Erwachsene wie Kinder an ihrem natürlichen Verhalten freuen, ohne dass die Tiere festgehalten oder aus dem Gehege genommen werden müssen. Für jede Tierhaltung gilt: Kinder müssen unbedingt von Erwachsenen angeleitet und beaufsichtigt werden. Sie müssen lernen, mit den ihnen anvertrauten Tieren rücksichtsvoll umzugehen und deren Bedürfnisse zu respektieren. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Tiere unbemerkt und ohne Absicht in Angst versetzt werden oder dass ihnen die Kinder Schmerzen zufügen.

ix. Ferien:

Tiere sollen erst angeschafft werden, wenn die Frage der Betreuung während der Ferien geklärt ist.

x. Besondere Rassen:

Der STS rät von der Haltung von Extremzuchtrassen ab. Auch Angora- und englische Widderkaninchen sind nicht zu empfehlen, weil aufgrund ihrer langen Haare bzw. Ohren die artgerechte Haltung in Gruppen und im Freien erschwert wird und weil die Tiere intensiver Pflege bedürfen. Zwergkaninchen sind ausserdem anfällig auf Zahnfehler, welche dazu führen, dass die Tiere nicht mehr fressen können - ein sicheres Todesurteil für diese nagefreudigen Tiere!

xi. Kosten:

Tiergerechtes Gehege: - ab ca. Fr. 600.- (www.kleintierstaelle.ch) Tier: ab Fr. 60.–, kastriert bis Fr. 150.- übernehmen Sie Kaninchen aus einem Tierheim, von der Nagerstation (www.nagerstation.ch) oder kaufen Sie Ihre Kaninchen aus einer tiergerechten Haltung mit seriöser Beratung. Kastration: ca. Fr. 70.– bis 90.– pro Tier Futter und Einstreu: Fr. 25.– bis 40.– pro Tier und Monat Tierarzt: Diese Kosten können den Wert des Tieres um ein Vielfaches übersteigen.

III. Hamster (Goldhamster und Zwerghamster)

Herkunft: Asien und Syrien (Goldhamster)
Lebenserwartung: 2-3 Jahre
Geschlechtsreife: Im Alter von 3 Wochen
Aktivitätszeit: Dämmerungs- und nachtaktiv

i. Natürliche Lebensart:

Goldhamster sind Einzelgänger und verteidigen ihr Territorium gegen Artgenossen. Männchen und Weibchen treffen nur zur Paarungszeit kurz zusammen. Goldhamster sind Bewohner von Halbwüsten und Getreideanbaugebieten. Die heisse Tageszeit und die kalten Wüstennächte verbringen sie in selbst gegrabenen, bis zwei Meter tiefen Bauten mit Gangsystemen, Vorrats- und Wurfkammern. Sie haben ein sehr grosses Bewegungsbedürfnis und sind geschickte Kletterer. Bei Temperaturen unter 10 Grad fällt der Goldhamster in eine Winterruhe und deckt seinen Nährstoffbedarf aus den Fettdepots seines Körpers. Im Gegensatz dazu halten Zwerghamster vermutlich keinen Winterschlaf. Einige Zwerghamster-Arten sind auch sozialer als der Goldhamster.

ii. Haltung in der Wohnung:

Wenn Hamster als Heimtiere gehalten werden, muss ihnen ein genügend grosser und abwechslungsreich eingerichteter Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. In einem grossen Terrarium kann ihr interessantes natürliches Verhalten gut beobachtet werden. Tagsüber schlafen sie und dürfen nicht geweckt werden. Am Abend werden sie jedoch sehr aktiv, erkunden ihr Gehege, suchen Futter und graben neue Gänge. Mit etwas Geduld werden Hamster zahm, nehmen Futter aus der Hand und tolerieren es, wenn sie hochgehoben werden. Zahme Tiere können unter Aufsicht freien Auslauf in der Wohnung erhalten. Man muss jedoch aufpassen, dass sie sich nicht hinter den Möbeln verkriechen. Da Goldhamster Einzelgänger sind, können sie nicht mit anderen Tieren zusammen gehalten werden. Auch nicht alle Zwerghamsterarten können in Gruppen gehalten werden, zum Beispiel ist der chinesische Streifenhamster (Cricetulus griseus) eher ein Einzelgänger, ausser man hätte ein riesiges, mehrere Dutzend Quadratmeter grosses Gehege. Die Zwerghamster der Gattung Phodopus sind allerdings sehr sozial und sollten nur in Gruppen gehalten werden. Sowohl die grauen Dsungarischen Zwerghamster (Phodopus sungorus) als auch die eher bräunlichen Campbell-Zwerghamster (Phodopus campbelli), beide mit dem typischen dunklen Aalstrich über dem Rücken, und der kleine Roborowski Zwerghamster (Phodopus roborowski) sollten in Familien oder gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten werden. Falls Zwerghamster zusammen gehalten werden, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren (siehe unter "Fortpflanzung").

iii. Tiergerechte Haltung:

Die herkömmlichen Gitterkäfige sind viel zu klein und für eine tiergerechte Haltung von Hamstern nicht geeignet. Auch von den so genannten "Hamsterheimen" aus Kunststoffröhren und - kugeln muss dringend abgeraten werden, da einerseits die Frischluftzufuhr ungenügend ist und ein feuchtes Klima entstehen kann, und andererseits die Tiere nicht selber Gänge graben können, wie dies ihrem natürlichen Verhalten entsprechen würde. Das Bewegungsbedürfnis der Hamster verlangt ein grosses Gehege. Ideal wäre eine Fläche von mehreren Quadratmetern , welche mit einer mindestens 50 cm tiefen Einstreu zum Graben versehen ist. In guten Zoofachgeschäften sind Terrarien und Aquarien aus Glas und Plexiglas erhältlich, welche mindestens 100cm lang, 50-60cm breit und 50 cm hoch sein sollten. Obwohl in solchen Behältern die Belüftung nicht optimal ist, haben sie sich bewährt. Wenn kleinere Käfige verwendet werden (absolutes Minimum 1/3 Quadratmeter Grundfläche und 30cm Höhe), muss mindestens 30 cm dick eingestreut werden. Zudem müssen sie mit einem Zwischenboden inklusive Rampe und Unterschlüpfen so eingerichtet sein, dass die für den Hamster nutzbare Fläche auf mindestens 1/2 Quadratmeter vergrössert wird. Der Käfig sollte an einem ruhigen und eher etwas dunklen Ort stehen, damit der Hamster tagsüber nicht gestört und nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt wird. Es muss immer für frische Luft gesorgt werden, ohne dass Durchzug entsteht. Räume, in denen geraucht wird, sind für die Tierhaltung nicht geeignet.

iv. Einrichtung des Terrariums / des Käfigs:

Das Terrarium respektive der Käfig wird mit einer geeigneten Einstreu, z.B. einer Mischung aus entstaubten Hobelspänen, Heu und Stroh mindestens 30 Zentimeter hoch gefüllt, damit die Hamster Gänge graben können. Zur Einrichtung gehören verschiedene Unterschlüpfe aus Holz und Korkrinden, Kletteräste und ein Sandbad. Futtergeschirre, Sandbad und Trinkflasche werden an der Seitenwand befestigt oder auf erhöhte Flächen gestellt, da sie sonst eingegraben werden. Umgekehrte Keramikplättli und Steine auf dem Boden des Terrariums helfen, die Krallen abzunutzen. Achtung: Steine und andere schwere Einrichtungsgegenstände müssen stabil auf den Gehegeboden gestellt werden, bevor die Einstreu eingefüllt wird. Andernfalls kann es passieren, dass die Hamster den Stein untergraben und erdrückt werden. Als Nestmaterial wird Heu, ungefärbtes Haushaltspapier oder spezielle „Hamster-Watte" aus dem Zoofachgeschäft in den Käfig gelegt. Es dürfen weder synthetische Watte noch Putzfäden verwendet werden, da sie sich um die Beine der Tiere wickeln und diese abschnüren könnten! Zur Bereicherung des Käfigalltages gibt man mehrmals pro Woche frisches Nage- und Baumaterial. Das Hamsterrad ist eine veraltete Einrichtung, von der abzuraten ist, da sie es eine Verhaltensstörung auslöst.

v. Futter:

Die speziellen Körnermischungen für Hamster, welche auch tierische Eiweisse enthalten sollten, werden mit Obst und Gemüse ergänzt, zum Beispiel mit äpfeln, Beeren und Karotten. Wildkräuter, Hirsekolben, Zweige mit Knospen und ab und zu ein kleiner Kalbsknochen oder eine Nuss in der Schale sorgen für Abwechslung und stillen das Nagebedürfnis. Etwas tierisches Eiweiss als Ergänzung kann mit wenig gekochtem Ei, rohem, magerem Hackfleisch, Quark oder Joghurt geboten werden. Trinkwasser wird am besten in einer kleinen Selbsttränkeflasche angeboten, welche an der Wand des Terrariums befestigt werden kann.

vi. Umgang:

Hamster werden in der hohlen Hand getragen. An der Nackenfalte dürfen Hamster nur in Notfallsituationen gehalten werden.

vii. Fortpflanzung:

Hamster sind schon im Alter von 3 Wochen geschlechtsreif. Die Weibchen können bis zehnmal im Jahr im Jahr 7-14 Junge aufziehen. Zwerghamster haben mit 18 tagen die kürzeste Tragezeit von allen Säugetieren! Um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern, müssen Männchen unbedingt vor der Geschlechtsreife von ihrer Mutter und den Schwestern getrennt oder kastriert werden. Da sich Hamster enorm schnell vermehren und es schwierig ist, wirklich gute Plätze für den Nachwuchs zu finden, ist von der Zucht abzuraten.

viii. Extremrassen:

Im Handel werden zahlreiche Fell- und Farbvarianten angeboten. Langhaarige Tiere haben oft ein verfilztes Fell und werden durch ihre eigenen Haare in ihrer natürlichen Bewegung behindert. Solche Rassen gehören in den Bereich der Extremzuchten und sollten deshalb weder gezüchtet noch gekauft werden. Völlig abzulehnen sind mopsköpfige Tiere, welche aus Inzuchtlinien entstanden sind. Ihre Lebenserwartung liegt in der Regel unter zwei Jahren. Die ursprünglichen Wildformen sind gesünder und robuster, weshalb sie beim Kauf bevorzugt werden sollten.

ix. Kinder und Hamster:

Obwohl Hamster niedlich aussehen, sind sie keine Kuscheltiere und eignen sich nicht dazu, von Kindern herumgetragen zu werden. Bei nicht fachgerechtem Umgang können sie kräftig zubeissen. Da Hamster nachtaktiv sind, dürfen sie tagsüber nicht geweckt werden. In der Nacht sind sie dann aber derart aktiv, dass man im gleichen Zimmer kaum schlafen kann. Aus diesen Gründen eignen sich Hamster nur bedingt für Kinder. Für jede Tierhaltung gilt: Kinder müssen unbedingt von Erwachsenen angeleitet und beaufsichtigt werden. Sie müssen lernen, mit den ihnen anvertrauten Tieren rücksichtsvoll umzugehen und deren Bedürfnisse zu respektieren

x. Ferien:

Tiere sollen erst angeschafft werden, wenn die Frage der Betreuung während der Ferien geklärt ist.

x. Der Goldhamster als Heimtier:

Der Goldhamster ist ein sehr beliebtes Heimtier. Im Allgemeinen verhält er sich gegenüber den Menschen freundlich, je nach Charakter des einzelnen Tieres manchmal aber auch ein bisschen launisch oder scheu. Gegen Artgenossen zeigen diese Nager jedoch ein aggressives Verhalten. Die Weibchen tolerieren nur während der kurzen Zeit, in der sie paarungsbereit sind, die Anwesenheit eines Männchens. Nach der Paarung wird das Männchen schon bald weggebissen und kann dabei ernsthaft verletzt werden. Junge Goldhamster sollten im Alter von vier Wochen von der Mutter getrennt werden, wird dies unterlassen, kann es vorkommen, dass die Mutter ihre eigenen Jungtiere tötet. Spätestens vor dem Einsetzen der Geschlechtsreife (schon ab einem Alter von vier bis sechs Wochen) sollten die Jungtiere nach Geschlechtern getrennt und am besten auch schon einzeln gesetzt werden. Wenige Wochen alte Jungtiere zeigen zuerst noch ein spielerisches Kämpfen mit ihren Geschwistern, dass dann aber bald schon mal zu einem ernsten Kampf mit Verletzungen werden kann. Deshalb gilt die Regel, dass man auf jeden Fall nur einen Goldhamster pro Käfig halten soll.

x. Zu Beachten!

Goldhamster sind nachtaktive Tiere. Aus diesem Grund sollte von den Haltern respektiert werden, dass Goldhamster während des Tages schlafen und nicht gestört werden wollen. Hamster, die in ihrer Ruhezeit gestört werden, sind gestresst und es besteht das Risiko, dass der Hamster bissig wird. Gerade da Hamster erst abends aktiv werden, eignen sie sich sehr gut als Haustiere berufstätiger Personen, die den Tag ausser Haus verbringen.

Eine Menge ganz wichtiger und nützlicher Tipps finden Sie auf der Seite www.hamsterinfo.ch.

x. Kosten:

Tiergerechter Käfig: Fr. 300.– bis 500.– Behälter aus Glas oder Plexiglas, erhältlich in guten Zoofachgeschäften oder als Spezialanfertigung von einem Schreiner
Tiere: ca. Fr. 30.– Kaufen Sie Ihre Hamster in einem Geschäft mit artgerechter Tierhaltung und seriöser Beratung, z.B. in einem vom STS empfohlenen Zoofachgeschäft oder in einem Tierheim.
Futter und Einstreu: ca. Fr. 20.– pro Tier und Monat
Tierarzt: Diese Kosten können den Preis der Tiere um ein Vielfachesübersteigen.

IV. Chinchillas

Herkunft: Südamerika, Anden
Lebenserwartung: 18 - 22 Jahre
Geschlechtsreife: Im Alter von 6 Monaten
Aktivitätszeit: Dämmerungs- und nachtaktiv

i. Natürliche Lebensart:

Chinchillas leben in Kolonien, wobei feste Paare mit ihren Jungen einzelne Territorien bewohnen. Ihr Lebensraum befindet sich in kargen Gebieten, das Klima ist sehr trocken und der Pflanzenwuchs ist spärlich. Chinchillas leben in Höhen bis zu 4000 m. ü. M. Tagsüber schlafen sie in Felsspalten und Höhlen, welche sie in der Dämmerung verlassen, um auf Futtersuche zu gehen. Sie sind dabei während vielen Stunden in Bewegung. Ihre Nahrung besteht aus Steppengräsern, Blättern und Rinden sowie Wurzeln und Früchten von bestimmten Kakteen. Chinchillas haben ein sehr weiches Fell, denn jedes einzelne Haar verzweigt sich in etwa 40 weitere Härchen. Dieses Fell ist jedoch sehr empfindlich auf Feuchtigkeit, wurde aber den Chinchillas dennoch zum Verhängnis: Eine Chinchillaart wurde in freier Wildbahn wegen ihres Felles bereits ausgerottet, die anderen Arten sind bedroht. Chinchillas werden leider immer noch in Pelztierfarmen gehalten.

ii. Haltung in der Wohnung:

Wenn Chinchillas als Heimtiere gehalten werden, muss ihnen ein grosser Lebensraum und Kontakt zu Artgenossen geboten werden. Die Einzelhaltung von Chinchillas ist nicht tiergerecht. Es müssen mindestens zwei Tiere zusammen leben können. Am besten eignet sich ein Weibchen zusammen mit einem kastrierten Männchen. Die tiergerechte Haltung von Chinchillas ist anspruchsvoll und braucht sehr viel Platz! Chinchillas sind Wildtiere, welche für die Heimtierhaltung nur bedingt geeignet sind. Mit etwas Geduld werden sie zwar zutraulich und nehmen Leckerbissen aus der Hand. Sie bleiben jedoch scheu und lassen sich nicht gerne anfassen und herumtragen. Tagsüber schlafen sie und sollen nicht geweckt werden. Am Abend werden sie aktiv. Sie bewegen sich sehr schnell, erklettern erhöhte Plätze und springen mit grossen Sätzen herum. Die Tiere erkunden den Lebensraum aufmerksam und beknabbern fast alles, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Da man Chinchillas nicht erziehen kann und sie sich nur schwer einfangen lassen, muss der Raum entsprechend eingerichtet sein, das heisst ohne Elektrokabel und ohne wertvolle Wohnungseinrichtungen.

iii. Tiergerechter Käfig:

Chinchillas müssen sich extrem viel bewegen können und brauchen deshalb einen entsprechend grossen Lebensraum. Am besten geeignet ist ein ganzes Zimmer, welches speziell für die Chinchillas eingerichtet ist. Wenn Chinchillas trotzdem in einem Käfig eingeschlossen werden, muss dieser genügend gross sein, das heisst, er sollte eine Länge von mind. 2 m, eine Breite von 1 m und eine Höhe von 1.5 m aufweisen.

Die herkömmlichen Käfige, welche im Handel angeboten werden, sind für die artgerechte Haltung von Chinchillas viel zu klein. Es ist jedoch möglich, sich von einem Schreiner ein Gehege anfertigen zu lassen. Die Holzteile sollen aus unbehandeltem Hartholz bestehen, da Tanne von den Chinchillas schnell angefressen wird. Gute Zoofachgeschäfte verkaufen auf Bestellung grosse Volièren im Baukastensystem.

Tiergerechte Käfige sind aber in jedem Fall recht teuer. Das Gehege muss an einem ruhigen Ort stehen, damit die Tiere tagsüber nicht gestört werden. Der Raum soll eher trocken und nicht zu warm sein und die Schlafhäuschen dürfen nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Es ist immer für genügend Frischluft zu sorgen, ohne dass Durchzug entsteht. Räume, in welchen geraucht wird, sind für die Tierhaltung nicht geeignet.

iv. Einrichtung des Geheges:

Das Gehege wird mit vielen Sitzbrettern auf unterschiedlichen Ebenen, mit Schlupfröhren aus Holz oder Ton und dicken Kletterästen ausgestattet. Korkröhren bilden gute Unterschlüpfe, werden jedoch schnell zernagt und müssen oft ersetzt werden. Die Schlafhäuschen, welche ebenfalls aus Holz sein sollen, werden nicht am Boden, sondern in den oberen Bereichen eingerichtet. Für die Fellpflege brauchen Chinchillas ein grosses Sandbad mit Spezialsand, welcher in Zoofachgeschäften erhältlich ist. Die Einstreu des Käfigs besteht z.B. aus Strohhäckseln, gereinigten Rindenschnitzeln oder entstaubten Hobelspänen für Nager. Zur Bereicherung des Gehegealltages sowie als Nagematerial gibt man den Chinchillas ungiftige äste, welche regelmässig erneuert werden müssen.

v. Futter:

Chinchillas haben eine hochspezialisierte Verdauung, welche an ihren kargen, natürlichen Lebensraum angepasst ist. Das Grundfutter besteht aus grobem Heu und muss immer in guter Qualität vorhanden sein. Zusätzlich werden spezielle Chinchilla-Pellets sowie kleine Mengen Gemüse und Früchte wie Karotten und äpfel gegeben, welche durch höchstens einen Kaffeelöffel einer handelsüblichen Körnermischung pro Tag ergänzt werden. Nährstoffreiche Futtermittel wie Rosinen dürfen nur selten als Leckerbissen angeboten werden. Als Nagematerial werden äste von ungiftigen und nicht gespritzten Bäumen gegeben, zum Beispiel Buche oder Hasel. Frisches Wasser soll immer zur Verfügung stehen. Chinchillas sind sehr empfindlich für Verdauungsstörungen. Jeder rasche Futterwechsel ist zu vermeiden!

vi. Fortpflanzung:

Chinchillas sind mit 6 Monaten geschlechtsreif. Nach einer Trächtigkeit von 110 Tagen bringen die Weibchen 1 bis 4 Junge zur Welt, die 5 bis 7 Wochen gesäugt werden. Da die Weibchen gleich nach der Geburt wieder gedeckt werden, können sie mehrere Würfe pro Jahr aufziehen. Um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern, müssen die Männchen unbedingt vor der Geschlechtsreife kastriert oder von der Mutter und den Schwestern getrennt werden. Weil es schwierig ist, wirklich gute Plätze für den Nachwuchs zu finden, ist von der Zucht abzuraten!

vii. Kinder und Chinchillas:

Chinchillas sehen ausgesprochen niedlich aus und haben ein seidenweiches Fell, was auch Kindern gut gefällt. Sie sind jedoch für Kinder nicht geeignet, da sie sehr schreckhaft sind und kaum gestreichelt und schon gar nicht herumgetragen werden können. Die artgerechte Haltung von Chinchillas ist aufwendig und bleibt Liebhabern vorbehalten, welche sich die speziellen Fachkenntnisse aneignen und ein Gehege von mehreren Quadratmetern oder besser ein ganzes Zimmer für die Tiere einrichten können.

viii. Ferien:

Tiere sollen erst angeschafft werden, wenn die Frage der Betreuung während der Ferien geklärt ist.

ix. Kosten:

Tiergerechtes Gehege: ca. 1500
Tier: Fr. 150.– bis 250.– Kaufen Sie Ihre Chinchillas in einem Geschäft mit artgerechter Tierhaltung und seriöser Beratung, z.B. in einem vom STS empfohlenen Zoofachgeschäft.
Futter, Einstreu, Sand: mind. Fr. 20.– pro Tier pro Monat
Tierarzt: Die Kosten können den Kaufpreis des Tieres übersteigen.

x. Literatur und Quellennachweis:

"Chinchillas", M. Röder - Thiede, Gräfe und Unzer, München 1998

V. Ratten

Herkunft: Ostasien
Lebenserwartung: ca. 2 Jahre, selten bis 3 Jahre
Geschlechtsreife: Im Alter von 5 (Männchen) bzw. 6 Wochen (Weibchen)
Aktivitätszeit: Dämmerungs- und nachtaktiv

i. Natürliche Lebensart:

Ratten leben in grossen Familien mit differenzierten sozialen Strukturen. Innerhalb der Gruppe gehen Ratten friedlich miteinander um und helfen einander sogar gegenseitig bei der Aufzucht der Jungen. Gegen fremde Tiere wird das Territorium massiv verteidigt. Während der Nahrungssuche sind Ratten jede Nacht viele Stunden unterwegs und legen beachtliche Strecken zurück.

ii. Haltung in der Wohnung:

Wenn Ratten als Heimtiere gehalten werden, muss ihnen ein genügend grosser und abwechslungsreich eingerichteter Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. Die Einzelhaltung von Ratten ist nicht tiergerecht. Es müssen mindestens zwei, drei oder mehr Tiere zusammen leben können und zwar Weibchen und/oder kastrierte Männchen. Das Zusammenführen älterer Ratten ist nicht einfach, aber möglich. Man muss sich zuerst bei Fachleuten erkundigen (www.rattenclub.ch) und in jedem Fall sehr vorsichtig vorgehen, damit es nicht zu schweren Beissereien kommt. Ratten sind sehr sensible Tiere, welche durch ihr neugieriges Wesen und ihre Lernfähigkeit faszinieren. Mit Geduld werden sie zutraulich gegenüber Menschen. Sie lassen sich streicheln und hinter den Ohren kraulen. Für die lebhaften und neugierigen Tiere ist es wichtig, dass ihnen täglich Freilauf gewährt wird und dass sie die Wohnung selbständig erkunden können.

Man muss jedoch aufpassen, dass die Ratten keine ungeeigneten Gegenstände wie Elektrokabel oder Wohnungseinrichtungen anknabbern und dass sie von anderen Haustieren nicht gefährdet werden. Als Rattenhalter darf man sich nicht daran stören, wenn die Tiere in der Wohnung kleine Urinmarken und Kotballen hinterlassen, was je nachdem nur selten, manchmal aber auch häufiger vorkommt. Da sich die Ratten schnell an den Tagesrhythmus ihres Betreuers anpassen und auf die abendliche Freilaufstunde warten, ist es wichtig, dass man sich immer etwa zur gleichen Tageszeit mit den Tieren abgibt. Da unsere Heimtierratten von ingezüchteten Labortieren abstammen und ihre Vitalität durch die jahrelange Inzucht geschwächt ist, erkranken sie meist an vererbbaren Tumoren und müssen frühzeitig eingeschläfert werden, um ihnen leiden zu ersparen.

iii. Tiergerechter Käfig:

Die meisten herkömmlichen Käfige sind viel zu klein für die tiergerechte Haltung von Ratten. Häufig wird immer noch die Haltung in den Versuchstierlabors als Massstab angewendet. Ideal wäre aber eine Fläche von mehreren Quadratmetern mit vielen Verstecken und Klettermöglichkeiten. Auch Schränke können mit etwas Phantasie zu guten Rattenbehausungen umgebaut werden. Die Türen werden mit Gitter versehen und die Tablare zu mehreren Etagen verbunden. Verschiedene Unterschlüpfe, Klettergelegenheiten und Gänge werden eingerichtet, damit für die Ratten eine nutzbare Fläche von mindestens 1 Quadratmeter entsteht. Der Club der Rattenfreunde bietet mit seinen Merkblättern Anleitungen zum Bau und zur Einrichtung eines solchen Rattenschrankes. Der Käfig oder Schrank muss an einem ruhigen Ort stehen, damit die Tiere tagsüber nicht gestört werden. Er darf nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt sein. Es muss immer für genügend Frischluft gesorgt werden, ohne dass Durchzug entsteht. Räume, in welchen geraucht wird, eignen sich nicht für die Tierhaltung.

iv. Einrichtung des Käfigs:

Die Einrichtung soll den Ratten die Möglichkeit geben, den Käfig in allen drei Dimensionen zu nutzen. Es werden mehrere Etagen eingerichtet, wodurch die begehbare Fläche vergrössert wird. Geeignete Einrichtungsgegenstände sind Kletteräste, Etagenbretter, Schlafkasten, mehrere Nischen und Unterschlüpfe beispielsweise aus Kartonschachteln oder Korkröhren, sowie Leitern, Stege, Klettertaue und Hängematten. Der Boden wird mit einer geeigneten Einstreu, z.B. Strohhäcksel oder Rindenschnitzel dick eingestreut. Beides ist im Zoofachhandel erhältlich. Sollte es wegen Einstreu-Staub zu Allergien oder Atembeschwerden kommen, können auch waschbare Tücher zum Auslegen des Käfigs verwendet werden. Zur Bereicherung des Käfigalltages gibt man den Ratten mehrmals pro Woche frisches Nage- und Baumaterial.

v. Futter:

Geeignet sind Obst und Gemüse, Zweigspitzen von ungiftigen und nicht gespritzten Bäumen wie Buche oder Hasel und gelegentlich eine Hasel- oder Baumnuss in der Schale, einen Maiskolben, Körnermischungen oder ein kleines Stück trockenes Vollkornbrot. Wasser muss stets in frischer Qualität in Schalen oder Trinkflaschen zur Verfügung stehen.

vi. Fortpflanzung:

Ratten können 5 bis 6 Würfe pro Jahr aufziehen. Männchen müssen unbedingt vor der Geschlechtsreife kastriert oder von der Mutter und den Schwestern getrennt werden, um eine unkontrollierte Vermehrung zu verhindern. Da sich Ratten sehr schnell vermehren und es schwierig ist, wirklich gute Plätze für den Nachwuchs zu finden, ist von der Zucht dringend abzuraten! Auch wegen der Tatsache, dass die meisten Ratten die Veranlagung zu Tumorerkrankungen an die Nachkommen weitergeben, muss die Zucht von solchen Tieren abgelehnt werden.

vii. Umgang:

Ratten werden in der hohlen Hand getragen. Wichtig ist, dass die Hinterbeine gestützt werden. Ratten dürfen nie am Schwanz gefasst werden! Wenn man ungeschickt oder grob mit den Tieren umgeht, können sie empfindlich beissen. Zutrauliche Ratten suchen selber den Kontakt zu Menschen und klettern gerne in den Kleidern, zum Beispiel in weiten Pulloverärmeln herum. Trotzdem sollten sie nicht stundenlang herumgetragen werden, ohne dass sie die Möglichkeit haben, sich an einen ruhigen Ort - nicht nur die Hemdtasche! - zurückzuziehen.

viii. Kinder und Ratten:

Wenn Ratten artgerecht gehalten werden, freuen sich auch Kinder an ihrem interessanten Verhalten und an ihrem liebenswürdigen Wesen. Die Ratten suchen Kontakt zu den Menschen und lassen sich streicheln. Sie sind jedoch keine Kuscheltiere und eignen sich nicht dazu, geknuddelt zu werden. Bei nicht fachgerechtem Umgang kann es zu regelrechten Tierquälereien oder aber zu empfindlichen Bissverletzungen kommen. Für jede Tierhaltung gilt: Kinder müssen unbedingt von Erwachsenen angeleitet und beaufsichtigt werden. Sie müssen lernen, mit den ihnen anvertrauten Tieren rücksichtsvoll umzugehen und deren Bedürfnisse zu respektieren. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Tiere unbemerkt und ohne Absicht in Angst versetzt werden oder dass ihnen die Kinder Schmerzen zufügen.

ix. Ferien:

Tiere sollen erst angeschafft werden, wenn die Frage der Betreuung während der Ferien geklärt ist.

x. Kosten:

Tiergerechtes Gehege: ab Fr. 400.–
Tiere: Fr. 20.– bis 30.–, kastriertes Männchen ab Fr. 100.– übernehmen Sie Ratten vom Club der Rattenfreunde, einem Tierheim oder kaufen Sie Ihre Ratten in einem Geschäft mit tiergerechter Haltung und seriöser Beratung.
Futter und Einstreu: ca. Fr. 20.– pro Tier und Monat
Tierarzt: Diese Kosten können den Preis des Tieres um ein Vielfaches übersteigen: Tumoroperation 100-300 Fr.!

xi. Literatur:

"Meine Ratten" Brigitte Rauth-Widmann, Verlag Kosmos, 2000
"Ratten, Mäuse und Rennmäuse", Brigitte Rauth-Widmann, Verlag Oertel&Spöhrer, 1999
"Ratten", G. Bulla, Verlag Gräfe und Unzer, 1998
"Du möchtest Ratten halten?"; Zeitschrift "Rattenpost": Informationen und Unterlagen des Clubs der Rattenfreunde

xii. Weitere Informationen:

Club der Rattenfreunde, Postfach 504, CH-4123 Allschwil
www.rattenclub.ch, E-mail: info@rattenclub.ch.
Info-, Beratungs- und Sorgentelefon: 078 670 33 31 oder 078 842 01 37
Rattenvermittlung Telefon 079 624 23 20

VI. Rennmäuse (Gerbils, oft auch Wüstenspringmäuse genannt)

Herkunft: Steppengebiete Asiens, andere Arten auch in Afrika
Lebenserwartung: 3-5 Jahre
Geschlechtsreife: Im Alter von 10- 12 Wochen
Aktivitätszeit: Rennmäuse sind dämmerungsaktiv. Wenn sie als Heimtiere gehalten werden, sind sie auch immer wieder am Tag aktiv.

i. Natürliche Lebensart:

Rennmäuse leben in grossen Familien mit differenzierten sozialen Strukturen. Jungtiere bleiben weit über die Geschlechtsreife bei ihrer Familie, pflanzen sich dabei aber nicht fort, sondern helfen bei der Aufzucht jüngerer Geschwister, bei der Verteidigung des gemeinsamen Territoriums, beim Futtersammeln und dem Erstellen des gemeinsamen unterirdischen Bausystems. Innerhalb der Gruppe leben Rennmäuse friedlich miteinander. Gegen fremde Tiere wird das Territorium massiv verteidigt. Rennmäuse bewohnen selbst gegrabene, riesige Gang- und Höhlensysteme, in denen sie ihre Vorräte lagern und sich im Winter gegenseitig wärmen.

ii. Haltung in der Wohnung:

Wenn Rennmäuse als Heimtiere gehalten werden, muss ihnen ein genügend grosser und abwechslungsreich eingerichteter Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. Sie müssen immer Kontakt zu Artgenossenhaben. Die Einzelhaltung von Rennmäuse ist nicht tiergerecht. Es müssen immer mindestens 2 – 3 Tiere zusammen leben können. Am besten eignen sich Wurfgeschwister des gleichen Geschlechtes oder gemischte Gruppen mit kastrierten Männchen. Erwachsene Tiere fremder Würfe sind kaum aneinander zu gewöhnen. Sie bekämpfen sich durch massive Beissereien. Auf keinen Fall dürfen fremde Tiere einfach in einem Käfig zusammengesetzt werden! Mit etwas Geduld können Rennmäuse soweit gezähmt werden, dass sie Futter aus der Hand nehmen. Es ist jedoch nicht zu empfehlen, den Rennmäusen in der Wohnung freien Auslauf zu gewähren. Sie verkriechen sich leicht hinter Möbeln und können kaum mehr eingefangen werden. Für die Tiere bedeuten solche Aktionen grossen Stress und Angst. In einem grossen, artgerecht eingerichteten Gehege zeigen Rennmäuse ein interessantes natürliches Verhalten. Der Reiz der Rennmaushaltung liegt darin, die Tiere zu beobachten, wie sie innerhalb ihrer Gruppe miteinander umgehen oder wie sie ihr Bausystem anlegen.

iii. Tiergerechte Haltung:

Gitterkäfige, wie sie im Handel angeboten werden, sind für die tiergerechte Haltung von Rennmäuse ungeeignet und zu klein. Das Gehege muss so gross sein, dass dem natürlichen Grabbedürfnis der Tiere Rechnung getragen wird. Rennmäuse sind sehr aktiv. Sie erkunden ihren Lebensraum und graben verzweigte Gänge und Höhlen. Ideal wäre deshalb ein Lebensraum von mehreren Quadratmetern Fläche, welche mit einer mindestens 30cm dicken Einstreu zum Graben versehen ist. In guten Zoofachgeschäften sind Terrarien oder Aquarien aus Glas oder Plexiglas erhältlich, welche zumindest eine Länge von 100 cm, eine Breite von (40 -) 60 cm und eine Höhe von 50 cm aufweisen. Rennmaus-Terrarien können auch aus Holz und Glas selber gebaut werden. Das Gehege sollte so stehen, dass ein kleiner Teil davon während einiger Stunden pro Tag etwas besonnt ist, denn Rennmäuse liegen gerne in der warmen Sonne. Das Terrarium sollte aber zugfrei stehen. Räume, in denen geraucht wird, sind für die Tierhaltung nicht geeignet.

iv. Einrichtung des Terrariums:

Das Terrarium wird mit einer geeigneten Einstreu, z.B. einer Mischung aus entstaubten Hobelspänen, Sand, Heu und Strohhäcksel mindestens 30 Zentimeter hoch gefüllt. Zudem wird den Rennmäusen ein Sandbad angeboten. Futtergeschirre, Sandbad und Trinkflasche werden an der Seitenwand befestigt oder auf erhöhte Flächen gestellt, da sie sonst eingegraben werden. Als Einrichtungsgegenstände eignen sich Karton- oder Korkröhren, Unterschlüpfe aus Holz sowie äste. Umgekehrte Keramikplättli und Steine auf dem Boden des Terrariums helfen, die Krallen abzunutzen. Achtung: Steine und andere schwere Einrichtungsgegenstände müssen stabil auf den Gehegeboden gestellt werden, bevor die Einstreu eingefüllt wird. Andernfalls kann es passieren, dass die Rennmäuse den Stein untergraben und erdrückt werden. Zur Bereicherung des Alltages soll mehrmals pro Woche frisches Nage- und Baumaterial angeboten werden. Geeignet sind beispielsweise Zweige, langfaseriges Heu und ungefärbtes Haushaltpapier. Die Tiere zerkleinern das Material schnell, verwenden es zum Nestbau oder arbeiten es in die Einstreu ein. Auf diese Art wird die Einstreu auch für den Bau eines Tunnelsystems stabiler. Da Rennmäuse nur sehr wenig Harn absetzen, ist der Reinigungsaufwand für den Käfig sehr gering. Die Einstreu muss nur alle 1-3 Monate gewechselt werden.

v. Futter:

Die handelsüblichen Körnermischungen, welche zum Teil auch tierische Eiweisse enthalten, sollten jeden Tag mit kleinen Stücken Obst und Gemüse wie äpfeln und Karotten, frischen Wildsämereien, Keimlingen, Katzengras oder Haferrispen ergänzt werden. Falls die Rennmäuse zu dick werden, muss das Körnerfutter, insbesondere die Sonnenblumenkerne, auf täglich einen Teelöffel pro Tier rationiert werden. Als Nagematerial eignen sich frische äste von ungiftigen und ungespritzten Bäumen wie Tanne, Buche oder Hasel, oder hie und da ein kleines Stück hartes Vollkornbrot. Frisches Wasser muss immer zu Verfügung stehen.

vi. Umgang:

Die Tiere können mit einer Kartonröhre, welche sie als Unterschlupf akzeptieren, oder mit beiden Händen eingefangen werden. Achtung: Nicht am Schwanz festhalten, da die Schwanzhaut leicht abreisst.

vii. Fortpflanzung:

Rennmäuse sind mit 10 - 12 Wochen geschlechtsreif. Die Weibchen bringen pro Wurf 4 - 5, manchmal bis 10 Junge zur Welt. Ein Rennmauspaar kann bis zu zehn Würfe pro Jahr aufziehen. Solange Erwachsene, geschlechtsreife Söhne und Töchter bei ihren Eltern bleiben, pflanzen sich nur die Elterntiere fort. Die Fortpflanzung der Nachkommen wird durch die Eltern unterdrückt. Werden sie aber mit 7-8 Wochen von den Eltern getrennt, müssen sie in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten werden, wobei sowohl Weibchen- als auch Männchengruppen sehr friedlich miteinander leben. Da Rennmäuse sich schnell vermehren und es schwierig ist, wirklich gute Plätze für den Nachwuchs zu finden, ist von der Zucht abzuraten! Von der Kastration oder Vasektomie des Männchens in einem Paar ist abzuraten, da Weibchen unfruchtbare Partner allenfalls angreifen und töten können.

viii. Kinder und Rennmäuse:

Wenn Rennmäuse in tiergerechten Gehegen gehalten werden, freuen sich die Kinder am interessanten, natürlichen Verhalten der munteren Tiere. Sie können beobachten, wie die Rennmäuse miteinander spielen oder wie sich ein Tier entspannt auf die Seite legt, damit ihm ein anderes Mitglied der Familie das Fell putzen kann. Gezähmte Tiere nehmen Futter aus der Hand. Die Kinder können zuschauen, wie die Rennmäuse Sonnenblumenkerne mit Hilfe ihrer geschickten Vorderpfötchen schälen. Rennmäuse sind aber keine Kuscheltiere. Sie sind nicht dazu geeignet, von Kindern herumgetragen zu werden. Für jede Tierhaltung gilt: Kinder müssen unbedingt von Erwachsenen angeleitet und beaufsichtigt werden. Sie müssen lernen, mit den ihnen anvertrauten Tieren rücksichtsvoll umzugehen und deren Bedürfnisse zu respektieren. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Tiere unbemerkt und ohne Absicht in Angst versetzt werden oder dass ihnen die Kinder Schmerzen zufügen.

ix. Ferien:

Tiere sollen erst angeschafft werden, wenn die Frage der Betreuung während der Ferien geklärt ist.

x. Kosten:

Tiergerechter Käfig: Fr. 300.– bis 500.– Behälter aus Glas oder Plexiglas, erhältlich in guten Zoofachgeschäften oder als Spezialanfertigung von einem Schreiner.
Tiere: ca. Fr. 30.– Kaufen Sie Ihre Rennmäuse in einem Geschäft mit artgerechter Tierhaltung und seriöser Beratung.
Futter und Einstreu: ca. Fr. 10.– pro Tier und Monat
Tierarzt: Diese Kosten können den Preis der Tiere um ein Vielfaches übersteigen.

xi. Literatur:

"Ratten, Mäuse und Rennmäuse als Heimtiere", Brigitte Rauth-Widmann, Verlag Oertel&Spörer München, 1999

VII. Degus

Herkunft: Chile
Lebenserwartung: 4-5 Jahre
Geschlechtsreife: Weibchen im Alter von 7 Wochen, Männchen im Alter von 3 Monaten.
Aktivitätszeit: Tag

i. Natürliche Lebensart:

Degus leben in grossen Kolonien bis zu mehreren hundert Tieren. Die einzelnen Familiengruppen bestehen aus 5 - 10 Tieren, welche ein eigenes Territorium besetzen und dieses gegen fremde Tiere verteidigen. Das ranghöchste Männchen überwacht das Territorium von einem selbstgebauten, immer wieder mit gesammelten Gegenständen erhöhten Hügel aus. Von hier aus kann es die Familienmitglieder vor Feinden warnen, damit sie in Deckung flüchten können. Degus bewohnen selbst gegrabene Gänge und Höhlen, welche sie im Schutz von Sträuchern und Hecken anlegen. Innerhalb der Familie bestehen enge soziale Bindungen. So werden beispielsweise die Nester zusammen bewohnt und die Tiere helfen einander bei der Aufzucht der Jungen. Degus fressen in freier Wildbahn Kräuter, Gras und Samen.

ii. Haltung in der Wohnung:

Wenn Degus als Heimtiere gehalten werden, muss ihnen ein genügend grosser und abwechslungsreich eingerichteter Lebensraum zur Verfügung gestellt werden. Degus sind Rudeltiere und brauchen immer Kontakt zu Artgenossen. Die Einzelhaltung von Degus ist nicht artgerecht. Es müssen mindestens 2 - 3 Tiere zusammen leben können. Es eignen sich gemischte Gruppen von männlichen und weiblichen Tieren. Um ungeplanten Nachwuchs zu verhindern, werden die Männchen vor der Geschlechtsreife kastriert. Kastration, vor allem die dazu nötige Narkose, stellt bei kleinen Nagern jedoch immer ein Risiko dar. Als Alternative können Degus auch problemlos in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten werden. Degus, welche in einer Gruppe zusammen gehalten werden, sollen gemeinsam aufwachsen können. Es ist nur schwer möglich, erwachsene Tiere aneinander zu gewöhnen. Auf keinen Fall dürfen fremde Tiere einfach zusammen in ein Gehege gesetzt werden, da es zu massiven Beissereien kommen kann. Es ist wichtig, dass man sich zuvor bei einer Fachperson erkundigt und sehr vorsichtig vorgeht. Mit einiger Geduld können Degus gezähmt werden, das heisst, sie nehmen Futter aus der Hand und lassen sich mit den Fingerspitzen kraulen. Es ist jedoch kaum möglich, sie in der Wohnung frei laufen zu lassen, da sie alles anfressen und sich auch nur schwer wieder einfangen lassen. Der Reiz der Deguhaltung besteht darin, dass sich am vielfältigen natürlichen Verhalten der Tiere zur erfreuen. In einem grossen Terrarium kann beobachtet werden, wie sie miteinander spielen und sich gegenseitig das Fell putzen, wie sie Gänge graben oder frische äste erkunden und beknabbern.

iii. Tiergerechte Haltung:

Degus sind sehr bewegungsaktive Tiere und brauchen einen entsprechend grossen Lebensraum. Ideal wäre eine Fläche von mehreren Quadratmetern. In Zoofachgeschäften werden Terrarien oder Glasbehälter (Aquarien) mit Gitterdeckel angeboten, welche zumindest eine Länge von 1 m, eine Breite von 40 bis 60 cm und eine Höhe von 50 bis 60 cm aufweisen, diese Behälter sind jedoch für die Deguhaltung zu knapp bemessen. Besser wäre eine Grundfläche von mindestens 1 m auf 1 m bei einer Höhe von 80 bis 150 cm. Obwohl in allseitig geschlossenen Behältern die Belüftung nicht optimal gelöst ist, haben diese sich bewährt. Diese Behälter sollten seitlichen Zugang bieten, nicht über den Deckel, da diese Tiere wie alle Fluchttiere empfindlich auf Manipulationen von oben reagieren. Da Degus fast jedes Material benagen, müssen auch selbst hergestellte Behälter in den Bereichen, welche von den Tieren erreicht werden können, sehr stabil sein. Am besten geeignet ist Glas und Hartmetall. Das Terrarium wird an einen ruhigen und hellen Ort gestellt, wo es nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Es muss immer für genügend Frischluft gesorgt werden, ohne dass Durchzug entsteht. Räume, in welchen geraucht wird, sind für die Tierhaltung nicht geeignet.

iv. Einrichtung des Terrariums:

Der Käfig muss so eingerichtet werden, dass sich die Degus entsprechend ihrem Bedürfnis bewegen können, dass sie Gänge und Höhlen graben und erhöhte Aussichtspunkte erklettern können. Dicke Kletteräste, Steine und mehrere Röhren als Unterschlüpfe bilden die Grundausstattung. Auch Korkröhren sind gut geeignet. Sie werden jedoch von den Degus schnell zernagt und müssen oft ersetzt werden. Als Einstreu werden im Zoofachhandel verschiedene geeignete Materialien angeboten, z.B. Strohhäcksel und entstaubte Hobelspäne, welche 30 bis 50 cm tief in das Gehege eingefüllt werden, damit die Degus Gänge graben können. Achtung: Steine und andere schwere Gegenstände müssen stabil auf den Boden des Geheges gestellt werden, bevor die Einstreu eingefüllt wird.

Andernfalls kann es passieren, dass die Degus unten durch graben und erdrückt werden. Die Einstreu muss stets sauber gehalten werden, das heisst, sie muss je nach der Anzahl Tiere und der Grösse des Terrariums alle 1 bis 3 Wochen teilweise oder ganz erneuert werden. Zur Bereicherung des Käfigalltages gibt man mehrmals pro Woche neues Nage- und Baumaterial wie Zweige, Laub und Stroh. Wasser- und Futtergeschirre müssen aus einem nagesicheren Material bestehen, beispielsweise aus Steingut. Sie werden an einen erhöhten Platz gestellt, damit sie nicht eingegraben werden. Zudem wird den Degus ein Sandbad eingerichtet.

v. Futter:

Heu ist das Grundnahrungsmittel für Degus und muss immer in guter Qualität vorhanden sein. Zusätzlich gibt man eine spezielle Körnermischung für Degus, aber nicht zuviel! Diese Nahrung wird mit Grünfutter wie Salat und Kräutern sowie frischen Zweigen von ungiftigen Bäumen ergänzt wird. Geeignet sind beispielsweise Hasel oder ungespritzte Obstbäume. Zur Abwechslung gibt man den Degus auch Wildkräutersamen, getrocknete Kräuter, Hafer vor dem Schnitt oder hie und da eine Baum- oder Haselnuss mit Schale. Die Tiere haben einige Arbeit damit, die Nüsse zu bearbeiten, um sie zu schälen. Frisches Wasser muss den Degus immer zur Verfügung stehen.

vi. Fortpflanzung:

Nach einer Tragzeit von drei Monaten bringen die Weibchen zumeist 2 bis 4, manchmal auch bis 10 relativ weit entwickelte Junge zur Welt. Degus können mehrere Würfe pro Jahr aufziehen. Da es schwierig ist, wirklich gute Plätze für den Nachwuchs zu finden, ist von der Zucht abzuraten. Für die Geburtenkontrolle können die Männchen vor der Geschlechtsreife kastriert, oder die Tiere in gleichgeschlechtlichen Gruppen gehalten werden.

vii. Kinder und Degus:

Degus zeigen ein interessantes natürliches Verhalten. Sie können im Terrarium beobachtet werden, wie sie innerhalb der Familie miteinander umgehen und wie sie ihr Bausystem graben. Mit einiger Geduld werden sie so zahm, dass sie Futter aus der Hand nehmen. Degus können jedoch nicht auf den Arm genommen und gestreichelt werden. Bei nicht fachgerechtem Umgang ist es möglich, dass sie kräftig zubeissen. Degus sind für Kinder nur bedingt geeignet. Für jede Tierhaltung gilt: Kinder müssen unbedingt von Erwachsenen angeleitet und beaufsichtigt werden. Sie müssen lernen, mit den ihnen anvertrauten Tieren rücksichtsvoll umzugehen und deren Bedürfnisse zu respektieren. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Tiere unbemerkt und ohne Absicht in Angst versetzt werden oder dass ihnen die Kinder Schmerzen zufügen.

viii. Ferien:

Tiere sollen erst angeschafft werden, wenn die Frage der Betreuung während der Ferien geklärt ist.

ix. Kosten:

Tiergerechtes Gehege: mind. Fr. 500.– Glasbehälter mit Gitterdeckel, erhältlich in guten Zoofachgeschäften
Tier: ca. Fr. 80.– Kaufen Sie Ihre Degus in einem Geschäft mit artgerechter Tierhaltung und seriöser Beratung, z.B. in einem vom STS empfohlenen Zoofachgeschäft oder in einem Tierheim.
Futter und Einstreu: Fr. 20.– pro Tier pro Monat
Tierarzt: Diese Kosten können den Preis der Tiere deutlich übersteigen.

x. Weitere Informationen:

Schweizer Tierschutz STS, Dornacherstrasse 101, CH-4008 Basel, www.tierschutz.com,
Mail: sts@tierschutz.com, Telefon 061/365 99 99, Telefax 061/365 99 90, PC 40-33680.

xi. Links: