Igel gefunden?

Im Spätsommer bzw. Spätherbst kommen oft Tierfreunde zu uns und möchten einen kleinen Igel abgeben. Wir haben in unserem Verein die Möglichkeit, Igel aufzunehmen und über längere Zeit zu betreuen. Zusätzlich möchten wir Ihnen hier auf dieser Seite einige Informationen zur Unterbringung, Versorgung etc. abgeben.

I. Pflege hilfsbedürftiger Igel

Generell ist es verboten, Tiere der besonders geschützten Arten - und dazu zählt der Igel - aus der Natur zu entnehmen! Dies gilt auch für den eigenen Garten! Das Naturschutzgesetz erlaubt jedoch, Igel, auf die eine der folgenden Definitionen zutrifft, aufzuziehen bzw. gesund zu pflegen. Paßt keines dieser Kriterien auf den Igel, den Sie gefunden haben, so setzen Sie ihn bitte umgehend wieder am Fundort aus. Drohen ihm dort jedoch Gefahren, bringen Sie ihn in ein Grüngelände mit Unterschlüpfen. Durch die rechtzeitige Einrichtung einer Futterstelle in den nahrungsarmen Jahreszeiten (Frühjahr und Herbst) erübrigt es sich oft, Igel in menschliche Obhut zu nehmen.

II. Zufütterung im Freien

Um das Futter (s. Ernährung) vor Katzen, Vögel etc., aber auch vor Regen zu schützen, stellt man es abends in eine Kiste (Harrass/Holzkiste), das mit einem ca. 10 x 10 cm kleinen Einschlupfloch versehen wird. Futterreste müssen morgens unbedingt beseitigt und die Schüsseln heiß gespült werden.

Wenn Sie unsicher sind, ob der Igel an Ihrer Futterstelle wirklich nur hungrig oder vielleicht doch krank ist, wiegen Sie den Igel, markieren ihn mit einem kleinen Tupfer Farbe auf den Stacheln und setzen Sie ihn wieder hinaus. Nach einigen Tagen wiederholen Sie das Wiegen. Hat der Igel nicht zugenommen, muß evtl. eingegriffen und der Igel genauer untersucht werden. Auch wässeriger, dünner Kot sind Zeichen für eine Erkrankung. Zögern Sie nicht und bringen den Igel zum Tierarzt oder an die nächste Igelstation.

III. Kriterien für die Hilfsbedürftigkeit

  • Verletzte Igel oder solche, die womöglich tagelang ohne Futter und Wasser in Lichtschächten, leeren Schwimmbecken oder ähnlichem gefangen waren.
  • Kranke Igel. Man erkennt sie meist daran, daß sie tagsüber herumlaufen, - torkeln oder -liegen. Sie sind oft apathisch, kühl, rollen sich kaum ein, sind häufig mager. Hinter dem Kopf sieht man eine Einbuchtung, Schultern und Hüftknochen bilden sich deutlich ab. Die Augen sind nicht rund, sondern schlitzförmig und eingefallen. Tagaktivität ist beim Nachttier Igel immer ein Alarmzeichen. Eine Ausnahme bilden allerdings aufgestörte Igel. Zerstört man z.B. bei Gartenarbeiten ein Igelnest, sucht sich auch ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf.
  • Verwaiste Igelsäuglinge, die sich tagsüber außerhalb des Nestes aufhalten, geschlossene Augen und Ohren haben und evtl. unterkühlt sind (frühestens ab Juni/Juli, meist im Aug./Sept.) ACHTUNG: nicht mit blossen Händen anfassen. Sollte Mutter doch noch zurückkommen, nimmt sie diese nicht mehr an!!
  • Jungigel, die Anfang November deutlich weniger wiegen als 500 g und am Fundort nicht zugefüttert werden können.
  • Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen.

VI. Igel aufgenommen: Erste Hilfe - Checkliste

  • Notieren Sie sich das Funddatum, die Uhrzeit, das Gewicht und die genaue Fundstelle.
  • Unterkühlte Igel müssen aufgewärmt werden. Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter anfühlt, als Ihre Hand. Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Gummiwärmflasche - kein Heizkissen! - umwickelt man mit einem Frotteehandtuch und legt sie in einen passenden, hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu.
  • Baden Sie Igel nicht!
  • Suchen Sie den Tierarzt möglichst bald auf oder kontaktieren Sie die nächste Igelstation. Ihr Igel ist krank. Unterbringung und Ernährung im Haus allein heilt das Tier nicht!
  • Igel sind keine Haustiere und kein Kinderspielzeug, sondern geschützte Wildtiere. Unterlassen Sie unbedingt Zähmungsversuche.

V. Unterbringung des Igels

Igel sind Einzelgänger. Jeder Igel braucht also ein eigenes Gehege. Nur ganz junge Igel aus einem Wurf vertragen sich eine Zeitlang miteinander.

Ein Igelgehege soll mindestens 2 qm groß und absolut ausbruchsicher sein. Die Höhe der Seitenwände muß 45 bis 50 cm betragen. Am besten fertigt man das Gehege aus gut zu reinigenden, beschichteten Span- oder Hartfaserplatten an, und stattet es wegen der Wärmedämmung auch mit einem Boden aus.

Diesen bedeckt man mit mehreren Lagen Zeitungspapier (nicht mit Sägemehl, Katzenstreu, Torf o.ä.), das man täglich (!) wechselt. Es eignet sich auch eine grosse Kartonschachtel (von TV-Geräten, Kühlschränken etc.)

Als Schlafhäuschen wählt man einen oben Zuklappbahren Karton von ca. 30 cm Kantenlänge und versieht ihn mit einem seitlichen Schlupfloch von ca. 10 x 10 cm. Das Schlafhaus wird mit reichlich gerissenen Zeitungsstreifen (kein Heu/Stroh, keine Lappen, keine Holzwolle) gefüllt, das man bei Verschmutzung austauscht.

VI. Fütterung des Igels - Achtung: Keine Milch!

Katzen- oder Hundedosenfutter. Als darunter zu mischende "Ballaststoffe" (zur guten Verdauung unerläßlich) eignen sich: Weizenkleie, Futterhaferflocken.

VII. überwinterung des Igels

Grundsätzlich ist anzustreben, gesund gepflegte Igel bzw. aufgezogene Igeljunge noch im Herbst auszuwildern.

Erreicht ein in menschliche Pflege genommener Igel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (mindestens 600 bis 650g, besser jedoch 700 g) jedoch erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, muss man bis zum Frühjahr warten, ehe man ihn in die Freiheit entlässt.

Doch sollte man einem gesunden Tier auch bei häuslicher überwinterung Gelegenheit zum Winterschlaf geben. Zu diesem Zweck stellt man sein Gehege in ein kaltes Zimmer, auf den Balkon, auf die Terrasse, in ein Gartenhäuschen, oder man baut ein Freigehege im Garten. Kellerräume sind meist ungeeignet, weil zu warm. Die Umgebungstemperatur sollte möglichst der Außentemperatur entsprechen. Bei Raumtemperaturen von mehr als 6 Grad fällt der Igel lediglich in einen Kräftezehrenden "Dämmerschlaf", in dem er weder fressen noch Winterschlafen kann. Daher ist auch direkte Sonneneinstrahlung (Südseite) zu vermeiden. Das bisher benützte Schlafhäuschen setzt man in einen etwas größeren Karton, besser noch in ein Holz- oder Spanplattenhäuschen (etwa 40 cm Kantenlänge) und isoliert zwischen beiden Häusern sowie Ober- und Unterseite mit reichlich zusammengeknülltem Zeitungspapier. Selbstverständlich schneidet oder sägt man auch in das überhaus ein deckungsgleiches Schlupfloch. Nachdem man den Igel in sein Winterquartier gebracht hat, füttert man ihn solange normal weiter, bis er das Futter nicht mehr anrührt. Bis dahin können einige Tage, aber auch Wochen vergehen. Auslauf und Häuschen reinigt man nach wie vor.

Hat sich der Igel dann offensichtlich zum Winterschlaf zurückgezogen, klebt man mit zwei Stückchen Klebeband ein Blatt Toilettenpapier vor das Schlupfloch. So kann man - ohne ins Schlafhaus zu fassen - auf einen Blick erkennen, ob das Tier wieder aufgewacht ist und nachts sein Häuschen verlassen hat oder ob es weiterschläft. Für alle Fälle und als "Notration" stellt man in das Schlaf- oder Futterhaus ein Schälchen mit Igel- oder Katzentrockenfutter, dazu frisches Wasser.

Auch schlafende Igel muss man täglich kontrollieren! Bitte still und leise! Eine Unterbrechung des Winterschlafs bei steigenden Temperaturen kommt hin und wieder vor.

VIII. Auswilderung im Frühjahr

Igel - auch solche, die in menschlicher Obhut Winterschlaf halten - wachen meist Ende März bis Mitte April auf und müssen nun wieder aufgefüttert werden. Innerhalb von zwei bis drei Wochen erreicht der Pflegling das Gewicht, dass er vor dem Winterschlaf hatte (Aussetzgewicht von Jungigeln: ca. 700 - 800 g ). Ideal ist es, wenn er die Zeit bis zum Aussetzen in einem Freigehege verbringen darf. Er kann dort seine Muskeln trainieren und findet außer dem Futter im Napf auch schon etwas natürliche Nahrung, was ihm die Eingliederung in die Natur erleichtert.

Die Zeit zum Aussetzen ist gekommen, wenn im Frühjahr Sträucher und Hecken ergrünt, die Nahrungstiere des Igels wieder vorhanden sind und auch die Geranien in den Blumenkästen ins Freie kommen (ca. Ende April bis spätestens Mitte Mai).

Soll der Igel im eigenen Garten ausgesetzt werden, baut man einfach das Gehege ab, beläßt aber das Schlafhaus und bestückt die Futterstelle weiterhin, bis der Igel beides ignoriert.

Zahlreiche Beobachtungen haben ergeben, daß sich fachgerecht aufgezogene und gesund gepflegte Igel gut in der Natur zurechtfinden.

Weitere Links im Internet: www.pro-igel.ch oder Ostschweizer Igelfreunde